Zur Bewässerung ihrer Gärten lassen sich immer mehr Berliner private Brunnen bohren, aus denen sie Grundwasser entnehmen. Umweltschützer sehen das kritisch. „Wir haben gerade ein großes Problem mit sinkenden Grundwasserständen. Dazu tragen solche privaten Brunnen bei“, sagte Gewässerschutzexpertin Verena Fehlenberg vom Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) der Deutschen Presse-Agentur.

Ein Einfluss auf die Trinkwasserbestände durch die Brunnen sei noch nicht sichtbar, sagte der Sprecher der Berliner Wasserbetriebe, Stefan Natz. Berlin gewinnt sein Trinkwasser aus den Grundwasserreserven der Stadt. Angesichts knapper werdender Ressourcen werde sich aber die Politik überlegen müssen, ob die Nutzung von Brunnenwasser künftig eingeschränkt werden müsse oder ob neue Regelungen für deren Bau geschaffen werden sollten.

Der private Brunnenbau schade unter anderem dem Stadtgrün, kritisiert Fehlenberg. „Je mehr Brunnen entstehen, desto mehr wird den Bäumen das Wasser abgegraben.“ Auch vielen Kleingewässern in Berlin drohe wegen sinkender Grundwasserstände die Austrocknung. Es sei außerdem fraglich, wofür das kostenlose Brunnenwasser genutzt werde. „Wird damit der Rasen gesprengt? Der Swimmingpool befüllt? Das sind alles Nutzungen, die unter der anhaltenden Trockenheit mehr und mehr kritisch zu bewerten sind“, so die Wasserexpertin.

Fehlenberg kritisierte außerdem eine mangelnde Transparenz. Es fehle an Veröffentlichungen zu den Brunnen und zur geförderten Wassermenge. „Die Dimension ist unbekannt und die Daten tauchen nicht in den Bilanzen auf“, so Fehlenberg. „Wie viele Brunnen es in der Stadt gibt, weiß niemand genau“, sagt auch Natz.

Der Berliner Umweltverwaltung sind momentan mehr als 10.000 Brunnen bekannt. „Eine statistische Differenzierung zwischen unterschiedlichen Nutzern – etwa ob es um Unternehmen mit gewerblicher Nutzung oder um Privatnutzung durch Gartenbesitzende geht – wird nicht geführt, sodass wir zur Aufteilung keine Angaben machen können“, erklärt Sprecher Jan Thomsen.

„Bis zu 15 Meter tiefe Brunnenbohrungen für private Gartenbrunnen müssen bei der Behörde lediglich angezeigt, eine Bohrung tiefer als 15 Meter muss entsprechend beantragt und beschieden werden“, erläutert Thomsen. In den vergangenen Jahren habe sich die Anzahl der Anträge erhöht: 2018 gingen demnach rund 450 Anträge für Gartenbrunnen ein, 2019 mehr als 600 Anträge, 2020 waren es 784 Brunnenanträge und 2021 waren es 554 Brunnenanträge. Der überwiegende Anteil der Anträge werde zugelassen. In einer Trinkwasserschutzzone sind Brunnen nicht erlaubt.

Um die Trinkwasserversorgung auch in Zukunft stabil sichern zu können, seien viele Initiativen nötig, so Thomsen. Eine besondere Sorgfalt im Umgang mit Trinkwasser sei in heißen Sommerperioden geboten. „Die Gartenbewässerung zum Beispiel sollte zu diesen Zeiten besonders verantwortungsvoll und bedarfsgerecht vorgenommen werden, da die Entnahmen aus dem Trinkwasser-Netz spürbar steigen“, sagte Thomsen.

Forscher wie Andreas Marx, Leiter des Deutschen Dürremonitors am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig, warnen davor, die Lage angesichts der aktuellen Dürre zu dramatisieren. „Es ist verkehrt zu denken, das bleibe jetzt immer so“, sagte Marx. Eine Dürre sei genauso ein extremes Ereignis wie ein Hochwasser. Nur sei ein Hochwasser nach einigen Tagen wieder vorüber, während eine Dürre jahrelang anhalten könne.

Langfristig werde die Wasserverfügbarkeit in Deutschland – anders als in den Mittelmeerstaaten – nicht abnehmen, sagte Marx. Davon gingen aktuelle Klimaprognosen aus. Es müssten jedoch Lösungen gefunden werden, wie das Wasser übers Jahr verteilt werden könne – etwa indem man es im Winter für trockenere Sommer speichere.