Bund und Länder einigen sich auf 49-Euro-Ticket

Nach langem Streit haben sich Bund und Länder auf eine Finanzierung des Nahverkehrs verständigt. Der Nachfolger des 9-Euro-Tickets kommt – sein Name: Deutschlandticket.

Die Züge könnten mit der Einführung des 49-Euro-Tickets wieder voll werden.
Die Züge könnten mit der Einführung des 49-Euro-Tickets wieder voll werden.dpa/Christoph Soeder

Bund und Länder haben sich bei der Ministerpräsidentenkonferenz auf die Einführung des 49-Euro-Tickets für Busse und Bahnen im Nah- und Regionalverkehr geeinigt. Das Nachfolgemodell des 9-Euro-Tickets soll laut einem Spiegel-Bericht „Deutschlandticket“ heißen.

Geplant ist ein digitales, deutschlandweit gültiges „Deutschlandticket“ für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zu einem Einführungspreis von 49 Euro pro Monat im monatlich kündbaren Abonnement, wie es in einem Beschlussvorschlag des Kanzleramts hieß. Das Ticket solle schnellstmöglich eingeführt werden. Ob ein Start Anfang des Jahres klappt, ist aber offen. Der Preis könnte im Laufe der Zeit steigen.

Finanzierungsstreit beendet: Kosten für 49-Euro-Ticket werden geteilt

Die Einigung bei Finanzfragen sieht vor, dass Bund und Länder sich die Kosten für das 49-Euro-Ticket von insgesamt drei Milliarden Euro im Jahr teilen.

Die Länder hatten eine Erhöhung der sogenannten Regionalisierungsmittel von diesem Jahr an zur Bedingung gemacht, dass sie ein 49-Euro-Ticket mitfinanzieren. Der Bund hatte vor den Beratungen mit den Ländern angeboten, diese Mittel zu erhöhen. Mit den Regionalisierungsmitteln bestellen die Länder Bahn- und Busverbindungen bei den Verkehrsunternehmen.

Die Verkehrsminister von Bund und Ländern hatten sich Mitte Oktober grundsätzlich auf ein 49-Euro-Ticket als Nachfolgemodell für das 9-Euro-Ticket aus dem Sommer verständigt. Finanzfragen waren aber noch offen. Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) hatte gesagt, eine Einführung des 49-Euro-Tickets zum 1. Januar solle das Ziel sein.

Zweifel, ob das 49-Euro-Ticket schon im Januar 2023 kommt

Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann bezweifelte aber, dass das 49-Euro-Ticket im Januar kommt. Der Grünen-Politiker sagte den Partnerzeitungen der Neuen Berliner Redaktionsgesellschaft (NBR), möglicherweise komme es erst am 1. März oder 1. April. Die Umsetzung sei aufwendig. Der Länderanteil in Höhe von 1,5 Milliarden Euro müsse in den Haushalten der Länder verankert werden. In der Süddeutschen Zeitung wies Hermann zudem darauf hin, dass Automaten umgestellt, Tarifsysteme angepasst und Gremienbeschlüsse gefasst werden müssten.

Das millionenfach gekaufte 9-Euro-Ticket hatte im Juni, Juli und August für je einen Monat deutschlandweit Fahrten in Bus und Bahn ermöglicht. Die Verkehrsminister planen für den 49-Euro-Nachfolger eine Einführungsphase von zwei Jahren. Ab dem zweiten Jahr könnte das Ticket teurer werden. Geplant ist eine „Dynamisierung“ in Form eines automatischen Inflationsausgleichs.

Zuerst trafen sich am Mittwochmittag die Chefs der Bundesländer. Laut Teilnehmerkreisen wurde auf diesem Treffen eine große Einigkeit in den wichtigsten Themen Ukraine-Krieg und Energiekrise erzielt. Bei der anschließenden Ministerpräsidentenkonferenz mit Kanzler Olaf Scholz (SPD) kam es erst zu Irritationen wegen offener Finanzierungsfragen zwischen Bund und Ländern. Offenbar sind diese Unstimmigkeiten aber größtenteils gelöst.