Karlsruhe/Berlin - Die Bundesanwaltschaft war in ihren Gründungsjahren nach dem Zweiten Weltkrieg zum größten Teil mit NS-belasteten Juristen besetzt. Das ist das Ergebnis einer großen Aufarbeitungsstudie im Auftrag des Generalbundesanwalts, die am Mittwoch als Sachbuch erscheint. Demnach waren in der – anfangs sehr kleinen – Karlsruher Behörde zwischen 1953 und 1959 rund 75 Prozent der Mitarbeiter im höheren Dienst ehemalige NSDAP-Mitglieder. Unter den Bundesanwälten und Oberstaatsanwälten waren zeitweise fast alle betroffen. Gleichzeitig waren die allermeisten Beamten im höheren Dienst auch schon vor 1945 im staatlichen Justizdienst gewesen.

Diese Zahlen sagten zwar nichts über das tatsächliche Verhalten im Nationalsozialismus und die individuelle Schuld Einzelner aus, schreiben der Historiker Friedrich Kießling und der Strafrechtler Christoph Safferling. „Die große und lange Amtskontinuität wie die hohe Zahl an formal belasteten Beamten zeigen aber sicher eines: Einen Bruch, gar einen bewussten Bruch mit der NS-Vergangenheit, hat es auch im Fall der Bundesanwaltschaft nicht gegeben.“