Frankfurt/Main - Bundesbank-Präsident Jens Weidmann ist Befürchtungen vor einer riesigen Pleitewelle als Folge der Corona-Krise entgegengetreten. „Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen dürfte weit unter ihrem historischen Höchststand bleiben“, sagte Weidmann der Augsburger Allgemeinen. Vor allem die diversen Maßnahmen der Bundesregierung zur Stützung der Unternehmen dürften dazu beitragen. „Der Wirtschaftseinbruch wird sich erst in den kommenden Quartalen in den Insolvenzzahlen niederschlagen“, so der Bundesbank-Präsident. „Sie werden zwar deutlich steigen, allerdings von einem sehr niedrigen Niveau aus.“

Deutlich anziehen werden nach Weidmanns Einschätzung im laufenden Jahr die Verbraucherpreise. „Aus heutiger Sicht dürfte die Inflationsrate gemäß dem Harmonisierten Verbraucherpreisindex in Deutschland zum Jahresende hin über drei Prozent liegen.“ Den HVPI zieht die Europäische Zentralbank (EZB) für ihre Geldpolitik heran. Die EZB strebt mittelfristig für den gesamten Euroraum eine Jahresteuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent an.

Angeheizt wird die Inflation in Deutschland unter anderem dadurch, dass die für ein halbes Jahr gesenkte Mehrwertsteuer zu Jahresbeginn wieder auf ihr bisheriges Niveau angehoben wurde. Hinzu kommt die seit Anfang 2021 fällige CO2-Abgabe von 25 Euro je Tonne ausgestoßenem Kohlendioxid (CO2), das beim Verbrennen von Diesel, Benzin, Heizöl und Erdgas entsteht. Aufgrund dieser Sondereffekte werde der Anstieg der Inflationsrate „nur vorübergehend sein“, erklärte Weidmann. „Aber eines ist klar: Die Inflationsrate bleibt nicht auf Dauer so niedrig wie im vergangenen Jahr.“