Berlin - Der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft wird zum Schutz bedrohter Insekten weiter eingeschränkt. Der Bundesrat ließ am Freitag ein vom Bundestag beschlossenes Gesetz passieren und stimmte einer Verordnung zu, die unter anderem einen Ausstieg aus der Anwendung des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat regelt. Zunächst soll der Wirkstoff in Gärten und Kleingärten, Parks und Sportplätzen verboten und auf den Äckern stark eingeschränkt werden. Komplett Schluss sein soll dann ab 1. Januar 2024. Generell sollen Pflanzenschutzmittel nahe größeren Flüssen und Seen demnach nur noch mit Mindestabständen von fünf bis zehn Metern eingesetzt werden.

Eine Gruppe von Wissenschaftlern der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie in Jena und des National Institute of Advanced Industrial Science and Technology in Japan hatte nachweisen können, dass Glyphosat Insekten indirekt schädigen kann. Die Studie wurde im Mai veröffentlicht.

Unkrautvernichter Glyphosat ist umstritten

Das am Donnerstag vom Bundestag beschlossene Gesetz sieht vor, dass zusätzliche Gebiete unter besonderen Schutz gestellt werde sollen, die Lebensräume für Insekten sind: Wiesen mit verstreut stehenden Obstbäumen, artenreiche Weiden, Steinriegel und Trockenmauern. In vielen Schutzgebieten soll außerdem der Einsatz insektenschädlicher Chemikalien wie Holzschutzmittel eingeschränkt werden. Kommen sollen erstmals Vorgaben, um „Lichtverschmutzung“ einzudämmen – also dass nachtaktive Insekten von Beleuchtung angelockt werden und sterben.

Der Unkrautvernichter Glyphosat ist umstritten. Das Mittel steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Letztes Jahr einigte sich der Pharmakonzern mit US-Klägern wegen angeblicher Krebsrisiken glyphosathaltiger Unkrautvernichter auf einen Vergleich. Es wird damit gerechnet, dass Bayer 9,1 Milliarden bis 9,8 Milliarden Euro zahlen muss.