Falsch abgebogen: BVG-Doppeldecker kracht in Steglitz gegen Brücke   

Wieder blieb ein Bus an der Bergstraße im Berliner Südwesten stecken. Drei Menschen wurden verletzt. Der schwere Unfall hätte verhindert werden können.   

Der stark beschädigte Bus der Linie 282. Nicht zum ersten Mal blieb an der Überführung der A103 in Steglitz ein BVG-Doppeldecker hängen. Schilder verbieten diesen Fahrzeugen die Durchfahrt.
Der stark beschädigte Bus der Linie 282. Nicht zum ersten Mal blieb an der Überführung der A103 in Steglitz ein BVG-Doppeldecker hängen. Schilder verbieten diesen Fahrzeugen die Durchfahrt.Morris Pudwell

In Berlin-Steglitz ist am späten Donnerstagabend ein Linienbus der BVG verunglückt. Nach ersten Erkenntnissen kam der Doppeldecker-Bus in der Bergstraße nicht unter einer Brücke hindurch. Er krachte gegen die Überführung und blieb, wie Fotos zeigen, stecken. Betroffen war ein 2009 geliefertes Fahrzeug vom Typ MAN DL08, das auf der Linie 282 zwischen dem Dardanellenweg in Marienfelde und dem Breitenbachplatz unterwegs war. „Dass die Doppeldecker weniger werden, ist bekannt. In der Bergstraße hat eine Brücke zum Einsatzende eines weiteren Exemplars (DL 3433) geführt“, lautete ein Kommentar im Berliner Nahverkehrsforum im Internet.

Die Berliner Feuerwehr erhielt um 21.57 Uhr einen Notruf. Nach ersten Erkenntnissen sollen sich außer dem Busfahrer weitere sechs Personen im Bus aufgehalten haben, von denen drei verletzt wurden, teilte die Polizei am Freitagvormittag mit.

Schwere Blessuren am Kopf

Zwei Männer im Alter von 31 und 75 Jahren erlitten schwere Verletzungen am Kopf beziehungsweise im Rumpfbereich, sie wurden zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus gebracht. Ein weiterer Mann soll leichte Verletzungen erlitten haben, die ambulant behandelt wurden, so die Polizei weiter.

Unfall in Berlin-Steglitz: Feuerwehr mit 40 Rettern im Einsatz

Rund 40 Einsatzkräfte der Feuerwehr waren bis kurz vor Mitternacht am Unfallort. Ein Statiker prüfte die Standfestigkeit der Brücke.

Die Polizei muss nun versuchen, die Unfallursache zu ermitteln. Die Busse der Linie 282 fahren normalerweise nicht über die Bergstraße und unter der S-Bahn und Autobahn hindurch. Die reguläre Route aus Richtung Marienfelde führt vom Steglitzer Damm kommend über die Albrechtstraße zum Bahnhof Steglitz. Dort biegen die Busse rechts in die Schloßstraße ein. Warum der Fahrer einen unüblichen Weg wählte, ist bisher nicht bekannt. 

Der Fahrer des BVG-Doppeldeckerbusses bog zweimal falsch ab

Am Freitag gab es aus Kreisen von Nahverkehrsfans erste Hinweise, die erklären, warum der Fahrer des Doppeldeckers vom Weg abwich.  

Aus Richtung Marienfelde fuhr der Bus auf die Kreuzung Albrechtstraße/Neue Filandastraße/Klingsorstraße zu – so weit war noch alles korrekt. Dieser Steglitzer Knotenpunkt ist eine Baustelle, sie bekommt neuen Asphalt. Wegen der Arbeiten ist die Bushaltestelle „Neue Filandastraße“ einige Meter vorverlegt worden und liegt nun unmittelbar vor dem Beginn des Baustellenbereichs.

„Derzeit ist die Verkehrsführung so, dass man sich mit Beginn der Baustelle ganz links einordnen muss, um unter Querung des Mittelstreifens auf der Gegenfahrbahn geradeaus in Richtung Rathaus fahren zu können“, so die Erläuterung. Das sei in diesem Fall offenbar nicht geschehen. Mit einer gravierenden Konsequenz: „Bleibt man in der nach der Haltestelle beginnenden ganz rechten, schon sanierten Spur, biegt man unweigerlich in die Neue Filandastraße Richtung Bierpinsel ab.“

„Bis dahin nicht schlimm, sowas kann passieren“, heißt es. Doch es wäre gut gewesen, wenn der Fahrer spätestens jetzt die Leitstelle der BVG kontaktiert hätte. Sie hätte ihm den richtigen Weg zum Rathaus Steglitz genannt: weiter zur Tiburtiusbrücke und dann auf der Autobahn zur Ausfahrt Wolfensteindamm. Stattdessen bog der Fahrer aus der Neuen Filandastraße links in die Bergstraße ab – und wurde von der Brücke gestoppt.

Engpass in Reinickendorf konnte entschärft werden

Die Doppeldeckerbusse vom Typ Lion’s City DD, zu denen das betroffene Fahrzeug gehörte, gelten als Riesen im Berliner Straßenverkehr. Mit einer Länge von 13,73 Metern und einer Höhe von 4,06 Metern fallen die Dreiachser auf. Inzwischen nimmt ihre Zahl ab, die Großen Gelben sind in die Jahre gekommen. Auch auf der Linie 282 dominieren inzwischen einstöckige Fahrzeuge.

Zwar weisen auch vor der Autobahnbrücke über die Bergstraße in Steglitz Schilder darauf hin, dass dieser Straßenabschnitt für Doppeldeckerbusse verboten ist – die Durchfahrtshöhe beträgt 3,70 Meter. „Am Mast der vor der Brücke gelegenen Haltestelle der dort verkehrenden Linie 170 hat man extra noch einen Warnhinweis angebracht“, so ein Insider. Dieser zusätzliche Hinweis ist bei Dunkelheit aber schwer zu sehen.

Experten raten, auch vor dieser Brücke eine Querstange mit einem darunter baumelndem Warnschild zu installieren. Wenn ein zu hohes Fahrzeug dagegen fährt, schlägt die Stange an die Dachkante – dadurch wird der Fahrer gewarnt. 40 Meter vor der Brücke an der Klemkestraße in Reinickendorf, unter der ebenfalls immer wieder Lkw und Doppeldeckerbusse hängengeblieben waren, gibt es bereits seit 2009 solche „Klingelbalken“. So heißen die Lichtraumprofilbrücken in der Fachsprache.

„Seitdem ist da meines Wissens nichts mehr passiert“, so ein Busfachmann. „Ohne nachzugucken fallen mir mindestens vier weitere DD ein, die an der Bergstraße schon zerschellt sind. Daher wundert es mich, warum diese Stelle nicht nachhaltiger entschärft wird.“ Auch die neuen Doppeldeckerbusse, die der britische Hersteller Alexander Dennis der BVG liefert, sind 4,06 Meter hoch – zu hoch für einige Brücken in der Stadt.