Dresden - Im 18. Jahrhundert machte der schillernde August der Starke, Kurfürst von Sachsen und in Personalunion König von Polen, Dresden zur Kunstmetropole Europas. Der Zwinger mit Gemäldegalerie Alte Meister, dem Kupferstichkabinett, Grünem Gewölbe oder das Albertinum locken mit ihren sagenhaften Kunstschätzen jährlich fast 2,5 Millionen Besucher aus der ganzen Welt an.

Doch viele dieser Kunstwerke wie etwa der „Mohr mit Smaragden“ von 1727 vom Hofgoldschmied Johann Melchior Dinglinger aus dem Juwelenzimmer des Grünen Gewölbes, eine prunkvolle 63 Zentimeter hohe geschnitzte Figur eines Farbigen aus Birnbaumholz behangen mit Edelsteinen und Schildpatt, sind bald nur noch schwer wiederzufinden. Denn seit Anfang vergangenen Jahres durchkämmen die Kuratoren und Mitarbeiter der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SDK) die Titel der Werke auf politische Korrektheit. Laut sächsischem Tourismusministerium sollen inzwischen 143 Kunstwerke „auf rassistische oder anderweitig diskriminierende Begriffe oder Inhalte“ geprüft – und politisch korrekt umbenannt worden sein. Die Behörde reagierte damit auf eine kleine Anfrage des AfD-Abgeordneten Thomas Kirste im sächsischen Landtag.

Und dem Bildersturm fielen und fallen die historischen Titel teilweise weltberühmter Kunstwerke zum Opfer, die Kunsthistoriker nun vermutlich nur noch schwer in alphabetisch sortierten Verzeichnissen oder Katalogen finden. Zum Beispiel wurde die Bronzestatuette „Afrikanerin mit Spiegel“, auch als „Schwarze Venus“ bekannt, umbenannt. Worte wie Eskimo, Eingeborener oder Zigeuner wurden in zeitgemäße Formulierungen geändert. Sie heißt heute einfach „Afrikanerin mit Spiegel“.

Kritik von Historiker Michael Wolffsohn

Der Titel eines niederländischen Gemäldes aus dem 17. Jahrhundert wurde etwa vom eingängigen „Hund, Zwerg und Knabe“ in den sperrigen Titel „Hund, kleinwüchsiger Mann und Junge“ umbenannt. Und die Behörde wird es nicht bei den 143 Kunstwerken belassen, denn der Bestand aller bislang in der Daphne-Datenbank erfassten Objekte der SDK beträgt heute knapp 1,5 Millionen Stück.

Betroffene Kunstwerke (Auswahl)

  • „Afrikanischer Krieger, den Bogen schwingend“, heute: „Ein Krieger, den Bogen schwingend“
  • „Landschaft mit mohammedanischen Pilgern“, heute: „Landschaft mit betenden Muslimen“
  • „Eingeborener mit Maske“, heute: „Mann mit Maske“
  • „Die Zigeunerin“, heute: „Frau mit Kopftuch“
  • „Zigeunermadonna“, heute: „Madonna mit stehendem Kind“
  • „Baumhütte eines Eingeborenen“, heute: „Baumhütte“
  • „Portrait eines dunkelhäutigen Sklaven“, heute: „Portrait eines Sklaven“
  • „Indische Eingeborene mit Haustieren“, heute: „Menschen mit Haustieren“

Kritik kam nicht nur von der AfD-Fraktion im Landtag, sondern auch vom Historiker Michael Wolffsohn. In der Bild-Zeitung äußerte er scharfe Kritik am Vorgehen der Behörde: „Merken denn die Umbenenner vom Dienst nicht, wie sehr sie sich und die eigentlich gute Absicht zum Gespött machen?“