Männer und Frauen bestimmter Studiengänge werden an der britischen Universität Northampton vor einem Klassiker der Literatur gewarnt. Laut britischen Medienberichten teilte die Uni den Studierenden des Kurses „Identity Under Construction“ mit, hier würden „schwierige Themen im Zusammenhang mit Gewalt, Geschlecht, Sexualität, Klasse, Rasse, Missbrauch, sexuellem Missbrauch, politischen Ideen und anstößiger Sprache“ behandelt. Dazu gehört der Universität zufolge auch das Buch 1984 von George Orwell.

Neben Orwells Buch nennen die Akademiker weitere, die ihrer Ansicht nach das Potenzial hätten, „anstößig und verstörend“ zu sein. Darunter sind etwa das Samuel Beckett-Stück Endgame, der Film V For Vendetta von Alan Moore und David Lloyd sowie Jeanette Wintersons Roman Sexing The Cherry. Ein Sprecher der Universität sagte der britischen Dailymail dazu: „Es ist zwar keine Universitätspolitik, aber wir können Studenten vor Inhalten warnen, die mit Gewalt, sexueller Gewalt, häuslichem Missbrauch und Selbstmord zu tun haben. Unter diesen Umständen erklären wir den Bewerbern im Rahmen des Einstellungsverfahrens, dass ihr Kurs einige anspruchsvolle Texte enthalten wird. “ Man sei sich „bewusst, dass einige Texte für manche Studenten eine Herausforderung darstellen könnten“. Das habe man „bei der Entwicklung unserer Kurse berücksichtigt“.

„Universitäten werden schnell zu dystopischen Big-Brother-Zonen“

Der Tory-Abgeordnete Andrew Bridgen sagte der britischen Dailymail dazu: „Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass Studenten jetzt vor der Lektüre von 1984 gewarnt werden müssen“. Bridgen weiter: „Unsere Universitäten werden schnell zu dystopischen Big-Brother-Zonen, in denen Neusprech praktiziert wird, um die Bandbreite intellektueller Gedanken einzuschränken und Redner, die sich nicht daran halten, auszuschließen.“ Bridgen sagte weiter: „Zu viele von uns, und nirgendwo wird dies deutlicher als an unseren Universitäten, haben ihre Rechte freiwillig aufgegeben, um sich stattdessen einer homogenisierten Gesellschaft anzupassen, die von einer liberalen Elite regiert wird, die uns vor Ideen „schützt“, die ihrer Meinung nach zu extrem für unsere Empfindlichkeiten sind.“

Der George-Orwell-Biograf David Taylor sagte der Dailymail: „Ich denke, dass 13-Jährige einige Szenen in dem Roman verstörend finden könnten, aber ich glaube nicht, dass irgendjemand im Grundschulalter noch wirklich von einem Buch schockiert ist.“