SellafieldDer Transport von sechs Castoren mit hoch radioaktivem Atommüll vom britischen Sellafield ins südhessische Biblis ist gestartet. Das Schiff mit den Behältern habe am Dienstagabend abgelegt, sagte ein Sprecher der mit dem Transport beauftragten Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS) am Mittwoch auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Der Zugtransport soll laut dem Aktionsbündnis Castor-Stoppen.de über Bremen, Köln und Göttingen bis nach Biblis nördlich von Mannheim geleitet werden. Die GNS machte zu der genauen Route keine Angaben. 

Der Müll in den Castoren stammt aus der Wiederaufarbeitung von Brennelementen in der Wiederaufarbeitungsanlage im britischen Sellafield, die Bundesrepublik ist vertraglich zur Rücknahme verpflichtet. Es handelt sich um den ersten Castortransport in Deutschland seit neun Jahren. Laut Atomkraftgegnern sind bis zum Jahr 2024 noch vier weitere derartige Transporte geplant.

Ursprünglich sollte der Castortransport bereits im Frühjahr stattfinden, wurde aber wegen der Corona-Pandemie verschoben. Die niedersächsische Regierung hatte sich dafür eingesetzt, den Transport erneut zu vertagen. Auch Polizeigewerkschaften hatten dies gefordert. Die Bundesregierung hielt jedoch am Termin fest.

2002 wurde beschlossen, den Atommüll aus der Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente im Ausland nicht mehr zentral in ein Zwischenlager im niedersächsischen Gorleben zu bringen. Die Transporte zu dem umstrittenen Standort wurden regelmäßig von tagelangen, teils gewaltsamen Protesten begleitet. Stattdessen wurde vereinbart, die restlichen Castoren auf Zwischenlager zu verteilen, die zwischenzeitlich an den deutschen Atomkraftwerken entstanden.

Die Zwischenlager an den Kraftwerken wurden eingerichtet, um die abgebrannten Brennelemente aus deren Reaktoren aufzunehmen. Die Wiederaufarbeitung von Brennelementen ist in Deutschland seit 2005 verboten, seitdem werden daher keine Brennelemente mehr in die entsprechenden Fabriken in Großbritannien sowie Frankreich geschickt. Die noch verbliebenen Transporte dienen der Rücknahme des Mülls aus früheren Aufarbeitungsaufträgen.

Das Schiff steuere in den nächsten Tagen einen deutschen Seehafen an. Gegner des Transports gehen hierbei vom niedersächsischen Hafen Nordenham aus.