Paris - Im Prozess um den islamistischen Anschlag auf die französische Satirezeitung Charlie Hebdo ist der Hauptangeklagte zu 30 Jahren Haft verurteilt worden. Ein Pariser Gericht sprach Ali Riza Polat am Mittwoch als Komplizen schuldig. Er half demnach den Islamisten, die im Januar 2015 Charlie Hebdo und einen jüdischen Supermarkt überfielen und insgesamt 17 Menschen töteten. Das Gericht sah den terroristischen Hintergrund der Taten allerdings bei mehreren Angeklagten nicht als erwiesen an.

Der Vorsitzende Richter Régis de Jorna verlas im Pariser Justizpalast das Urteil gegen Polat in dem seit Anfang September dauernden Prozess. Das Gericht habe festgestellt, dass Polat dem Attentäter Coulibaly in konkreter und detaillierter Weise entscheidend geholfen habe, seine kriminellen Handlungen auszuführen, begründete Régis de Jorna dem Sender France Inter zufolge seine Entscheidung. Er habe ausreichend Kenntnis von Coulibalys Absichten gehabt.

Die Staatsanwaltschaft hatte lebenslange Haft gefordert. Sie hatte argumentiert, dass der Franzose mit türkischen Wurzeln eine Schlüsselrolle bei der Vorbereitung der Anschläge gespielt habe. Polat hatte immer geleugnet, von den Anschlagsplänen gewusst zu haben.

Im Prozess um die Terrorserie vom Januar 2015 sind  14 Menschen angeklagt – drei von ihnen sind flüchtig. Vor einem Sondergericht für Terrorfälle wird seit Anfang September nicht nur der Anschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo verhandelt, sondern auch die anschließende Attacke auf einen koscheren Supermarkt im Süden von Paris. Die Terroristen töteten damals 17 Menschen. Die drei Täter – die Brüder Chérif und Said Kouachi sowie Amédy Coulibaly – wurden damals von Sicherheitskräften erschossen.

Den Angeklagten wurde vorgeworfen, in unterschiedlicher Weise bei der Vorbereitung der Anschläge geholfen zu haben. Der Prozess im Pariser Justizpalast findet unter hohen Sicherheitsvorkehrungen statt. Er war für etwa einen Monat unterbrochen worden, weil sich mehrere Angeklagte mit dem Coronavirus infiziert hatten. Zuletzt hatte Polats Gesundheitszustand die Wiederaufnahme verzögert. Er klagt unter anderem über andauernde Übelkeit.