Berlin - Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, warnt vor einer Durchseuchung der Schulen. „Auch wenn Kinder seltener schwer erkranken, dürfen wir eine Durchseuchung der Schulen nicht zulassen“, sagte er der Augsburger Allgemeinen (Donnerstag). „Wir wollen es als Lehrerverband auch, dass Präsenzunterricht beim Schulstart möglichst vollständig stattfindet, aber nicht, indem man Gesundheitsschutzmaßnahmen herunterfährt und vor der Infektionsgefahr an Schulen kapituliert.“

Neuere Studien hätten herausgefunden, dass zwischen 0,3 bis 1,7 Prozent der mit Corona infizierten Kinder im Krankenhaus behandelt werden müssen. „Bezogen auf Deutschland bei knapp elf Millionen Schülern hieße das, dass zwischen 30.000 und 180.000 in Krankenhäusern behandelt werden müssten, von eventuellen Long-Covid-Folgen mal völlig abgesehen. Das, glaube ich, darf kein Politiker verantworten.“

Er sieht auch in der Vorbereitung auf dieses Schuljahr schwere Versäumnisse der Politik: Man komme „um die Feststellung nicht herum, dass auch bei der Vorbereitung dieses Schuljahres wieder vieles suboptimal gelaufen ist. Das fängt damit an, dass bis heute nicht klar ist, nach welchen Vorgaben, Kriterien und Regeln der Schulunterricht laufen soll. Es setzt sich fort bei dem Trauerspiel um die Anschaffung von Raumluftfilteranlagen (...). Und es endet damit, dass wir immer noch bei der digitalen Infrastruktur der Schulen große Defizite haben, fast die Hälfte hat nach wie vor kein schnelles Internet“.

Holter: Schäden für Schüler durch eingeschränkten Schulbetrieb

Unterdessen ist in mehreren Bundesländern eine Debatte um die Durchseuchung der Schulen entbrannt. So hatte beispielsweise SPD-Politiker Thomas Hartung Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) vorgeworfen, auf eine Durchseuchung in den Schulen zu setzen. Holter entgegnete am Mittwoch, dass es weiter Maßnahmen für den wirksamen Pandemieschutz gebe, aber: „Wir müssen auch den Fortschritt, den wir als Gesellschaft insgesamt im Vergleich zum vergangenen Schuljahr erreicht haben, berücksichtigen, damit es nicht zu weiteren schweren Schäden für Schülerinnen und Schüler durch Einschränkungen des Schulbetriebs kommt.“

In Schwerin, Mecklenburg-Vorpommern, hat Oberbürgermeister Rico Badenschier (SPD) dafür plädiert, Schutzmaßnahmen in Schulen gegen das Coronavirus umgehend zu stoppen. „Eine Herdenimmunität ist mit einer Durchimpfung der >18-jährigen nicht zu erreichen. Eine Durchseuchung der jüngeren Alterskohorte ist für eine Herdenimmunität unvermeidlich“, erklärte Badenschier Ende Juli auf Twitter.