Peking/Berlin - Ein Jahr nach Bekanntwerden des Coronavirus in der chinesischen Großstadt Wuhan herrscht in dem Land mittlerweile eine postpandemische Realität. Das Leben pulsiert wieder und die Wirtschaft boomt. Es scheint, als wäre der Alltag in China zurück, während viele andere Länder im Lockdown verharren. Gleichwohl sieht sich die chinesische Regierung seit Monaten internationaler Kritik über Versäumnisse, Vertuschungen und Propaganda ausgesetzt. Die chinesische Journalistin Qin Liwen erhebt nun in einem Interview, das bei n-tv veröffentlicht wurde, schwere Vorwürfe gegen die Politik in ihrem Land. 

Die Publizistin erklärt, dass es für China ein großes Destaster war, irgendwann zugeben zu müssen, dass das Coronavirus von Mensch zu Mensch übertragen wird. Der Großmarkt in Wuhan, von wo aus sich das Virus verbreitet haben soll, sei sofort penibel gereinigt worden, um Spuren zu beseitigen. Das Regime habe im ganzen Land sofort einen Lockdown verhängt, gleichzeitig aber dagegen protestiert, dass Flüge nach Europa gestrichen werden, so Qin Liwen. 

Aus dem Chinesischen ins Deutsche übersetzt, sagte die Journalistin: „Die chinesische Regierung wollte die westlichen Länder in die gleiche Situation bringen - wohlwissend, dass sie selbst mit einer absoluten Macht schnell Kontrolle gewinnen und sich dann als Gewinner inszenieren können.“

Um das Volk gefügig zu machen, soll die Regierung eine riesige Propaganda-Maschinerie aufgebaut haben. Zudem sei das Regime während des Lockdowns derart hart gegen das Volk vorgegangen, dass dabei alle Menschenrechte missachtet worden seien, so Qin Liwen.