Berlin - Deutschland hat die Corona-Impfungen mit dem Astrazeneca-Impfstoff vorerst ausgesetzt. Hintergrund sind mehrere gemeldete Fälle zu Thrombosen der Hirnvenen in zeitlichem Zusammenhang mit Astrazeneca-Impfungen. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hält nun weitere Untersuchungen für notwendig. Der Berliner Virologe Christian Drosten findet das richtig, wie er Dienstag im NDR-Podcast „Coronavirus-Update“ sagte. 

Solche Sinusvenenthrombosen träten zwar auch mit einer vergleichbaren Rate in der Normalbevölkerung auf, allerdings sei die Zahl statistisch auf ein Jahr bezogen. „Aber jetzt ist das innerhalb von nur ein paar Wochen aufgetreten, während Astrazeneca verimpft wurde. Darum muss man das ernst nehmen und anschauen“, sagte Drosten. Für die statistische Vergleichbarkeit sei es nun wichtig zu wissen, ob die Betroffenen in Deutschland zum Beispiel einer ohnehin stärker thrombosegefährdeten Bevölkerungsgruppe angehörten oder nicht, so Drosten.

Der Charité-Virologe sprach sich dafür aus, in der Pandemie-Situation ein mögliches Risiko der Impfung immer im Verhältnis zum Risiko im Erkrankungsfall zu betrachten. „Wir brauchen diese Impfung“, betonte Drosten im Podcast. 

Drosten: Situation wird sich durch Mutante drastisch erschweren

Kurz nach Ostern werde man eine Infektionssituation wie um Weihnachten herum haben und diese werde sich im weiteren Verlauf drastisch erschweren, da man es jetzt mit einer Virusvariante zu tun habe, so Drosten. Der Virologe geht davon aus, dass noch in dieser Woche drei Viertel der erfassten Neuinfektionen auf die Coronavirus-Mutante B1.1.7 zurückzuführen sein werden. Das Robert-Koch-Institut (RKI) hatte kürzlich prognostiziert, dass die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland nach Ostern bei 300 liegen könnte. Das zeige, sagt Drosten, „dass diese Sichtweise keine Fantasie von einzelnen Professorinnen und Professoren ist, sondern dass das einfach die amtliche Auffassung von dem ist, was uns in den nächsten Wochen bevorsteht.“ Besonders „brenzlig“ werde es für die weitestgehend noch ungeimpften Jahrgänge ab 50 Jahre.

Mit der Verfügbarkeit des Astrazeneca-Impfstoffs stehe und falle die aus seiner Sicht wichtige Einbeziehung der Hausarztpraxen bei den Corona-Impfungen. Sollte man eine niedrigere Impfstoff-Menge akzeptieren müssen, werde der Plan der Lockerungen nicht funktionieren, sagte Drosten.