Berlin - Die dritte Corona-Welle hat nach Ansicht des Berliner Charité-Virologen Christian Drosten in Deutschland bereits begonnen. Drosten sagte in einem Podcast der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, anfangs habe er hinsichtlich der Corona-Varianten gezweifelt, ob sie gravierend für den Verlauf der Pandemie seien – schließlich seien Virus-Mutanten an sich nicht ungewöhnlich. 

Die Daten zur schnellen Verbreitung der Varianten seien allerdings inzwischen parallel in vielen verschiedenen Ländern zu beobachten. „Deswegen muss man einfach an diese Daten glauben und auch an diese Modellierungen glauben, und deswegen sind wir jetzt nun mal am Anfang einer neuen Verbreitungswelle“, so Drosten.

Drosten geht davon aus, dass angesichts der Geschwindigkeit der Impfstoffvergabe in Deutschland die Impfungen bis Mai nicht die Verbreitung des Virus spürbar eindämmen würden. „Der Nutzen wird zu dieser Zeit bei der Abfederung der Sterblichkeit liegen, aber nicht bei dem Stopp der Verbreitung in der Bevölkerung“, sagte Drosten in dem Podcast.

Lauterbach: Dritte Welle bereits unaufhaltsam im Gange

Ähnlich wie Drosten hatte sich kürzlich der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach geäußert. Auch seiner Ansicht nach ist die dritte Ausbreitungswelle bereits unaufhaltsam im Gange. „Wir sind noch nicht mitten in der dritten Infektionswelle, aber diese hat angefangen und lässt sich auch nicht mehr aufhalten“, sagte der Virologe der Passauer Neuen Presse.

Lauterbach geht deshalb davon aus, dass Öffnungsschritte verschoben werden müssen. Die von Bund und Ländern angestrebte Sieben-Tage-Inzidenz von 35 lasse sich an vielen Orten nicht mehr erreichen.