Der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff hat angesichts des Kriegs in der Ukraine hinterfragt, ob Deutschland tatsächlich genug leiste. Gegenüber dem Sender n-tv sagte er, „Ich meine schon sagen zu müssen, dass Deutschland sich besonders fragen muss, ob wir alles tun, was wir tun können, ob wir unseren ukrainischen Freunden so helfen, wie wir ihnen jetzt helfen müssen.“

Während seiner Amtszeit traf der ehemalige Bundespräsident auch mehrmals auf Wladimir Putin. „Ich habe gemerkt, dass er von Demokratie nichts hält,“ so Wulff. „Mikhail Gorbatschow hat mich 2019 sehr gewarnt“. Putin verfolge laut Wulff ein „Großmachtstreben“.

Deutschland müsse auch Staaten, die nicht in der NATO seien, aber durch Putin bedroht würden, „ein hohes Maß an Unterstützung gewähren“. Zur Anstellung von Ex-Kanzler Gerhard Schröder bei russischen Staatsunternehmen sagte Wulff, dass dies in Zukunft nicht mehr möglich sein dürfe. „Niemand darf sich jetzt mehr in russische Dienste begeben und in russische Abhängigkeiten“.

Auch die deutsche Russlandpolitik müsse aufgearbeitet werden, so Wulff. „Aus heutiger Sicht waren Nord Stream 1 und 2 Fehler“. Die Bundeskanzlerin verteidigte er jedoch gegen Vorwürfe. Christian Wulff war von 2010 bis zu seinem Rücktritt 2012 im Amt. Als früherer Bundespräsident vertritt er weiterhin die Bundesrepublik bei Staatsakten – wie bei der Vereidigung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj im Jahr 2019.