Berlin - Im Hause Axel Springer und speziell in der Redaktion der Bild-Zeitung soll nach den turbulenten letzten Wochen wieder Ruhe einkehren. Dafür sollen offenbar neue Compliance-Regeln eingeführt werden. CEO Mathias Döpfner kündigte nach Informationen des Medienmagazins Medieninsider jetzt „ein Regelwerk für Beziehungen am Arbeitsplatz an“. Die Anwaltskanzlei Freshfields hatte im Auftrag von Springer unter anderem wegen des Verdachts auf Machtmissbrauch im Zusammenhang mit Redakteurinnen gegen Chefredakteur Julian Reichelt ermittelt. Reichelt hatte diese Vorwürfe stets bestritten. Er ist mittlerweile in einer neuen Doppelspitze mit Alexandra Würzbach wieder im Amt.

Der Belegschaft wurde nun mitgeteilt, wie man mögliches Fehlverhalten von Führungskräften künftig verhindern und zugleich das in den letzten Wochen beschriebene Klima der Angst beseitigen möchte. An dem auch per Video abgehaltenen Meeting nahmen auch CEO Mathias Döpfner und Stephanie Caspar teil. 

Romantische und sexuelle Beziehungen innerhalb einer Unternehmenseinheit

Laut Medieninsider kündigte Döpfner dabei auch ein Regelwerk für Beziehungen am Arbeitsplatz an. Darüber habe man am Montag in einer Vorstandssitzung gesprochen. Man prüfe und diskutiere konkret die „Möglichkeit, die Meldung romantischer wie auch sexueller Beziehungen innerhalb einer Unternehmenseinheit verpflichtend zu machen“, heißt es in dem Bericht. Eine solche Regelung habe man in den vergangenen Jahren „unter Berufung auf freiheitliche Werte“ abgelehnt. Das soll jetzt anders werden. Man könne und wolle Beziehungen und Gefühle nicht verbieten, zugleich aber transparent damit umgehen.

Aus der Belegschaft wurde zudem konkret nach Versäumnissen auf oberster Führungsebene gefragt. Dazu sagte Döpfners Vorstandskollegin Stephanie Caspar, dass es seitens der Ermittler keine konkreten Auseinandersetzungen mit dem Wissen und Verhalten des Vorstands gegeben habe. Das eigene Verhalten habe man aber reflektiert.

Caspar bestätigte laut dem Bericht, dass es in der Vergangenheit mehrere Hinweise auf „die Arbeitskultur, den Umgang innerhalb der Redaktion und die Arbeitsbelastung“ gegeben habe. Diese allerdings seien „nicht konkret“ genug gewesen. Darüber hinaus habe sie keine derart negativen Erlebnisse wahrgenommen. Caspar hatte zwei Jahre die Vorstandsverantwortung für die Bild-Zeitung.