Berlin - Julian Reichelt, Chefredakteur der Bild-Zeitung, ist bis auf Weiteres von seinen Aufgaben freigestellt worden. Das bestätigte Konzernsprecherin Edda Fels am Samstagabend. „Um eine ungestörte Aufklärung sicherzustellen und die Arbeit der Redaktion nicht weiter zu belasten, hat er den Vorstand darum gebeten, bis zur Klärung der Vorwürfe befristet von seinen Funktionen freigestellt zu werden“, so Fels. Und weiter: „Die Freistellung ist inzwischen erfolgt.“ Julian Reichelt weist die Vorwürfe, darunter Machtmissbrauch und Mobbing, zurück.

Springer untersucht aktuell Hinweise auf mögliche Compliance-Verstöße innerhalb der Bild-Redaktion. Es geht um Machtmissbrauch, Mobbing und die Ausnutzung von Abhängigkeitsverhältnissen. Der Medienkonzern hat die Untersuchung zu einer sorgfältigen Prüfung der renommierten Kanzlei Freshfields übergeben.

Um eine „sowohl zügige als auch sorgfältige unabhängige Aufklärung sicherzustellen“, habe das interne Compliance-Management auch „externe Experten“ hinzugezogen, so Unternehmenssprecherin Fels. Hierbei werde „ergebnisoffen in alle Richtungen recherchiert“ und die „Glaubwürdigkeit und Integrität aller Beteiligten“ bewertet. Unternehmenssprecherin Fels weiter: „Die Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen.“

Redaktionsinterne Nachricht von Reichelt bei Twitter veröffentlicht

Der Medienjournalist Stefan Niggemeier veröffentlichte bei Twitter einen Screenshot eines redaktionsinternen Chats der Bild-Zeitung. Die gezeigte Nachricht soll von Reichelt selbst stammen.

Reichelt: „Ich werde mich gegen die wehren, die mich vernichten wollen“

Der Mediendienst Medieninsider zitiert die komplette Nachricht wie folgt: „Bild und die Menschen bei Bild sind mein Leben. Ich habe immer alles dafür getan, dass es Bild, dass es uns gut geht und das tue ich auch heute, auch wenn es mir unendlich schwerfällt. Deswegen habe ich den Vorstand gebeten, mich vorerst zu beurlauben, um dazu beizutragen, unangreifbare Aufklärung zu betreiben und die Vorwürfe zu prüfen, die gegen mich erhoben wurden.“

Weiter schreibt Reichelt laut Medieninsider, die Vorwürfe seien „falsch“. Er werde sich „gegen die wehren, die mich vernichten wollen, weil ihnen Bild und alles, wofür wir stehen, nicht gefällt. Die über mich schreiben, ohne mich vorher anzuhören, weil meine Antworten ihnen noch nie gepasst haben“.

Die Führung der Redaktion übernimmt nach Angaben von Springer zunächst Alexandra Würzbach, Chefredakteurin Bild am Sonntag und Mitglied der Chefredaktion der Bild-Gruppe.