COP-Präsident zu Klimakonferenz: „Das war nicht einfach“

Es hat mehrere Nächte gedauert, doch nun haben sich die rund 200 Staaten beim Weltklimagipfel auf eine Abschlusserklärung verständigt.

Samih Schukri (l), Außenminister von Ägypten, spricht während der Abschlusszeremonie beim UN-Klimagipfel COP27.
Samih Schukri (l), Außenminister von Ägypten, spricht während der Abschlusszeremonie beim UN-Klimagipfel COP27.dpa/Christoph Gateau

Nach nächtelangen Verhandlungen hat sich die Weltklimakonferenz auf eine Abschlusserklärung geeinigt. Darin bekräftigten die rund 200 Staaten am frühen Sonntagmorgen ihren früheren Beschluss, die Verbrennung klimaschädlicher Kohle herunterzufahren. Ein Abschied von Öl und Gas wird nicht erwähnt.

Zum Abschluss der UN-Klimakonferenz in Ägypten hat deren Präsident Samih Schukri die zweiwöchigen Verhandlungen als mühsam bezeichnet. „Das war nicht einfach. Wir haben rund um die Uhr gearbeitet“, sagte Schukri am Sonntagmorgen zum Ende der Konferenz. „Jegliche Ausrutscher, die es gegeben haben mag, waren nicht beabsichtigt.“ Die Gespräche der Vertreter aus rund 200 Ländern seien teilweise angespannt gewesen, aber „am Ende haben wir geliefert“, sagte Schukri. Die Einigung auf einen neuen Geldtopf für die Folgen von Klimaschäden in ärmeren Ländern gebe Millionen Betroffenen rund um die Welt Hoffnung.

In Scharm el Scheich verhandelten Teilnehmer zwei Wochen lang über weitere Schritte, um die Erderwärmung noch zu verlangsamen. Die Einigung auf einen gemeinsamen Fonds zum Ausgleich von Klimaschäden war größter Streitpunkt. Nach einer Verlängerung um gut 36 Stunden und nächtlichen Verhandlungen kam schließlich der Durchbruch.

Baerbock: Hoffnung und Frustration nah beieinander

Außenministerin Annalena Baerbock zog eine gemischte Bilanz. „Beim Ergebnis liegen Hoffnung und Frustration nahe beieinander“, erklärte die Grünen-Politikerin am Sonntagmorgen. Beim Thema Ausgleichszahlungen für arme Länder, die besonders unter den Folgen der Erderwärmung leiden, sei ein Durchbruch gelungen. „Die Weltgemeinschaft schafft gemeinsame Finanzierungsmechanismen, um gezielt den am stärksten betroffen Menschen bei Klimakatastrophen zu helfen. Damit schlagen wir ein neues Kapitel in der Klimapolitik auf.“

Es sei gelungen zu verankern, dass die Hilfe sich auf die verwundbarsten Länder konzentriere. Und es sei ein Prozess angestoßen worden, der dafür sorge, dass auch die Länder, die heute besonders viel Treibhausgase ausstoßen, in die Pflicht genommen werden - obwohl „viele Fragen hier noch offen und kontrovers geblieben sind“, wie Baerbock einräumte.

Es sei gelungen, einen Rückschritt hinter die Ergebnisse der Klimakonferenzen von Glasgow und Paris zu verhindern, und das Ziel zu verteidigen, die Erderwärmung auf 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Sie beklagte aber: „Dass aufgrund der Blockade von einigen großen Emittenten und ölproduzierenden Staaten überfällige Schritte zur Minderung und zum Ausstieg aus fossilen Energien verhindert wurden, ist mehr als frustrierend. Die Welt verliert dadurch kostbare Zeit, Richtung 1,5-Grad-Pfad zu kommen.“

Baerbock bemängelte auch: „Wir Europäer haben uns in der Abschlusserklärung für ein klares Bekenntnis zum weltweiten Ausstieg aus fossilen Energien eingesetzt, dafür gab es viel Unterstützung - aber von einigen wenigen Staaten auch erbitterten Widerstand.“ Aber erstmals sei die zentrale Rolle der erneuerbaren Energien benannt worden.

Baerbock kritisierte indirekt auch die ägyptische Konferenzleitung, indem sie von „organisatorischen Schwächen“ sprach. Die Bilanz der Konferenz zeige, dass der Prozess wieder stärker in die Hände der Vertragsstaaten der internationalen Klimaabkommen kommen müsse, und dass es „den ungehinderten Zugang einer freien, starken Zivilgesellschaft braucht, um ambitionierte Ergebnisse zu erzielen“.