Potsdam - Nach dem Corona-Ausbruch in einem Seniorenheim in Schorfheide am Werbellinsee hat sich die Zahl der Toten auf elf erhöht. Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher hatte am Montagabend in der RBB-Sendung „Brandenburg Aktuell“ von 14 Toten gesprochen. Diese Zahl sei aber falsch, sagte ein Sprecher des Landkreises. Wie es zu dem Missverständnis kam, ist offen. Die Zahl 14 sei falsch, sagte auch ein Sprecher des Gesundheitsministeriums.

Weiterhin sind laut Kreis 44 Bewohner und 15 Mitarbeitende der Einrichtung im Ortsteil Altenhof mit dem Virus infiziert. 

Mehrzahl mit Vorerkrankungen und über 80 Jahre alt

Unter den elf Sterbefällen in der Senioren-Residenz im Landkreis Barnim sei die Mehrzahl über 80 Jahre alt gewesen, alle hätten Vorerkrankungen gehabt, berichtete Kreissprecher Robert Bachmann. Seinen Angaben zufolge liege laut Amtsärztin Heike Zander die Impfquote der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Einrichtung bei lediglich etwa 50 Prozent. Gegen den Leiter der Senioren-Einrichtung sei ein Bußgeldverfahren verhängt worden, weil er nach einem positiven Testergebnis das Heim nochmals betreten hatte. Die Ursache für den Ausbruch sei aber noch unklar, so der Sprecher.

Die Gesundheitsministerin zeigte sich betroffen. „Erstmal muss ich sagen, dass ich auch sehr erschüttert bin über diese Vorgänge, weil das ist genau das, was wir nach den Erfahrungen von Anfang des Jahres vermeiden wollten“, sagte Nonnemacher am Montag im Inforadio. Mitarbeiter des Ministeriums hätten alle stationären Einrichtungen in Brandenburg angerufen und gefragt, ob Unterstützung durch Impfteams benötigt werde. Dieses Heim habe Termine für Auffrischungsimpfungen gehabt, die wegen des Ausbruchs zurückgestellt worden seien.

Der Virologe an der Medizinischen Hochschule Brandenburg Theodor Fontane (MHB), Frank Hufert, hält unterdessen eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen für angebracht. Menschen, die Hochrisikogruppen wie etwa Senioren betreuen, sollten verpflichtet werden, sich impfen zu lassen, sagte er.

Nonnemacher hat Verständnis für berufsbezogene Impfpflicht

Nonnemacher zeigte Verständnis dafür, eine berufsbezogene Impfpflicht für Pflegende im medizinischen Sektor einzuführen – auch in Kita und Schule. Das werde sich aber nicht so leicht umsetzen lassen. „Da sind ja hohe juristische Hürden dahinter“, betonte sie im Radiointerview. Daher müsse das Personal wieder täglich getestet werden in vulnerablen Bereichen in den Kliniken und Pflegeheimen. Da müssten die Leitungen in den Einrichtungen auch „hinterher sein“.

Die Zahl der Corona-Infektionen im Land schnellt inzwischen weiter in die Höhe. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums vom Montag steckten sich 128,3 Menschen innerhalb von sieben Tagen je 100.000 Einwohner mit dem Coronavirus an nach 121,8 am Vortag. In der vergangenen Woche betrug der Wert 86,1. Der Kreis Elbe-Elster meldete mit einem Wert von 210,7 die höchste Sieben-Tage-Inzidenz. Außer der Prignitz (67,0), der Stadt Brandenburg an der Havel (79,1), der Uckermark (83,7) und Frankfurt (Oder) (94,7) lagen alle Landkreise und kreisfreien Städte über einem Inzidenzwert von 100. Innerhalb eines Tages erhöhte sich die Zahl der bestätigten Fälle um 254 nach 414 am Sonntag.

60,6 Prozent der Bevölkerung im Land sind vollständig geimpft. Darüber hinaus haben mit Stand Sonntag bislang 38.181 Menschen eine Auffrischungsimpfung erhalten. Damit liegt Brandenburg im Vergleich mit anderen Bundesländern auf dem vorletzten Rang.

Das Land plant derzeit nicht, Impfzentren wieder zu eröffnen. „Wir sehen dafür keine Notwendigkeit, sondern setzen wie andere Bundesländer auf ambulante und mobile Impfstrukturen“, sagte der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Gabriel Hesse, auf Nachfrage. Das Problem sei nicht die Organisation von Impfungen, sondern dass sich immer weniger Menschen impfen ließen.