BerlinDie umstrittene Sperrstunde zur Eindämmung der Corona-Pandemie in Berlin wird um zunächst zwei Wochen bis zum 14. November verlängert. Das kündige Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) am Dienstag am Rande einer Senatssitzung an. 

Der rot-rot-grüne Senat sei fest davon überzeugt, dass die nächtliche Sperrstunde nebst Alkoholverbot ein richtiges Instrument in der Corona-Krise sei. Es sei so lange notwendig, solange die Infektionszahlen sehr hoch seien. Man gehe zudem davon aus, dass sich die Sperrstunde bundesweit durchsetzen werde. Sie gilt in Berlin seit gut zwei Wochen in der Zeit von 23 Uhr bis 6 Uhr. Mehrere Berliner Wirte haben allerdings bereits erfolgreich gegen die Sperrstunde geklagt. Sie dürfen auch nach 23 Uhr öffnen, dann aber keinen Alkohol mehr ausschenken.

Zudem gelten in Berlin bald niedrigere Obergrenzen für Veranstaltungen. Drinnen dürfen ab Sonnabend nur noch maximal 300 Menschen zu Tagungen, Messen oder Sportveranstaltungen zusammenkommen statt bisher 1000, draußen nur noch 500 statt bisher 5000 Menschen. Die neuen Beschränkungen zielten nicht zuletzt auf Fußballspiele, hieß es aus Senatskreisen. In Berlin sollen bei den Heimspielen von Hertha BSC und Union Berlin nur noch 500 Fans zugelassen werden. In Einzelfällen sollen nach individueller Prüfung aber auch mehr Teilnehmer möglich sein.

Corona in Berlin: Senat plant weitere Sitzung in dieser Woche

Wegen der Corona-Krise plant der Senat in dieser Woche eine weitere Sitzung. Sie soll nach der am Mittwoch geplanten Videokonferenz von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Regierungschefs der Länder stattfinden, wie Kollatz ankündigte. Im Senat werde derzeit darüber diskutiert, Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie „weiterzuentwickeln“. Was dann gegebenenfalls beschlossen werden soll, blieb zunächst genauso offen wie der genaue Termin für die Sondersitzung, die auch online stattfinden könnte. Kollatz nannte den Mittwochabend oder den Donnerstag. Das sei von der Dauer der Konferenz mit der Kanzlerin abhängig.

In Berlin hatte sich die Corona-Pandemie zuletzt stark ausgebreitet. Am Dienstag wurden laut Gesundheitsverwaltung erstmals mehr als 1000 neue Infizierte an einem Tag gemeldet, und zwar genau 1040. Die Zahl der Neuinfektionen je 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen kletterte auf 137,2. Damit liegt die Hauptstadt deutlich über dem kritischen Schwellenwert von 50.

Erst am vergangenen Sonnabend waren in Berlin vor diesem Hintergrund neue Beschränkungen in Kraft getreten. Es besteht jetzt Maskenpflicht für Märkte und zehn besonders belebte Straßen in mehreren Bezirken, aber auch für Shopping-Malls und Warteschlangen. Am Dienstag stellte der Senat dazu klar, dass die Maskenpflicht nicht für Fahrradfahrer gilt, die auf den betroffenen Straßen oder dem Radweg unterwegs sind.

Zudem bestehen seit vergangenen Sonnabend strengere Obergrenzen für private Zusammenkünfte: Draußen dürfen sich nur noch 25 Menschen etwa zu einer Feier treffen, drinnen Angehörige eines Haushalts plus maximal fünf andere Personen.