Berlin - Corona hat das Arbeitsleben verändert. Weniger Menschen als bisher pendeln täglich ins Büro, sie arbeiten stattdessen zu Hause. Nun werden Ideen für ein Homeoffice-Ticket immer konkreter. „Neue Mobilitätsgewohnheiten brauchen neue Angebote ebenso wie neue Tarifmodelle“, sagte Jannes Schwentu von den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG). Sie sollen nun entwickelt werden – mit dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg, der bei diesem Thema die Fäden in der Hand hält.

„Wir sind dabei, Gespräche zu führen, wie diese Tarife und das Ticketing dazu aussehen könnten“, teilte der Sprecher des Landesunternehmens mit. „Eine Idee sind zum Beispiel Best-Price-Möglichkeiten, wo erst im Nachhinein anhand der tatsächlich genutzten Fahrten das für den Fahrgast beste Ticket berechnet und abgebucht wird.“ Das Prinzip: Nach jeweils einer Woche oder einem Monat wird geprüft, wie oft der Nahverkehr genutzt wurde – und dann schlägt der Computer das für den Kunden günstigste Ticket vor. Am Montag hatte die Berliner Morgenpost darüber berichtet.

Neue Fahrkartenangebote im Zeichen von Corona: Das ist ein Thema, das Tarifplaner und Verkehrspolitiker seit Längerem bewegt. Sie wissen, dass viele Berufstätige darüber nachdenken, ob ihre Umweltkarte künftig noch das richtige Ticket für sie ist – oder ob sie ihr Abo kündigen sollen. Wer gar nicht mehr oder nur noch an wenigen Tagen ins Büro fährt, käme mit Einzelfahrscheinen oder Vier-Fahrten-Karten oft preiswerter über die Runden. Der Trend ist unverkennbar: Bei der S-Bahn Berlin ist die Zahl der Abonnements von März bis November 2020 um fast 17.000 gesunken. Die BVG meldete ebenfalls einen leichten Rückgang der Abo-Zahl um rund 17.000 für den Zeitraum von März bis Oktober 2020.

Zehn-Fahrten-Karten und Tickets mit flexiblen Geltungsbereichen

Susanne Henckel, Geschäftsführerin des Verkehrsverbunds, hatte im Dezember im Gespräch mit der Berliner Zeitung erste Ideen für neue Ticketangebote vorgestellt. „Wir müssen etwas dafür tun, dass uns Kunden langfristig erhalten bleiben“, sagte sie. Ihr erster Vorschlag: „Aus meiner Sicht wäre es sinnvoll, wenn wir weitere Arten von Mehrfahrtenkarten anbieten würden. Vier-Fahrten-Karten gibt es ja schon, digitale Zehn-Fahrten-Karten würden sicher ebenfalls auf Zuspruch stoßen.“

Vorschlag Nummer 2: „Für die kommenden Jahre müssen wir uns darüber unterhalten, ob es Zeitkarten mit flexiblen Geltungsbereichen geben könnte. Wenn jemand ausschließlich zu Hause arbeitet, aber im Kiez häufiger unterwegs ist, sollte es möglich sein, den Ticketbereich darauf zuzuschneiden“, so die Chefin des Verkehrsverbunds. Denkbar wäre ein flexibles digitales Ticket, das für Berufstätige im Homeoffice, die einen kleineren Bewegungsradius als früher haben, attraktiv sein könnte.

Der FDP-Verkehrspolitiker Henner Schmidt begrüßte die Bemühungen. „Auch ohne Corona-Einschränkungen wird sich das Verhalten der Nahverkehrsnutzer weiter verändern, denn Homeoffice und flexible Arbeitszeiten werden weiter zunehmen“, sagte der Abgeordnete am Montag. „Es ist sinnvoll, das Tarifsystem zu flexibilisieren, um auch unregelmäßigen Nutzern ein attraktives Angebot zu machen.“

Bargeldloser Fahrscheinverkauf im Bus – Tests beginnen

„Auch elektronische Tickets und bargeldloses Bezahlen sollten verstärkt genutzt werden“, so Schmidt weiter. Wie berichtet wird auch daran gearbeitet, wie die neue BVG-Chefin Eva Kreienkamp im Dezember mitteilte. „Wir arbeiten außerdem daran, neue Absatzmöglichkeiten zu erschließen und neue Kunden zu gewinnen“, sagte sie. „So wird es zum Beispiel in Drogeriemärkten Karten geben, die an der Kasse mit einem Guthaben aufgeladen werden können. Dieses Guthaben kann dann bei der BVG genutzt werden.“ Die neuen Fahrkartenautomaten für die Straßenbahn werden nur „Plastikgeld“ annehmen. Nach Informationen der Berliner Zeitung wird nun auch für den Fahrscheinverkauf im Bus Technik getestet, die ausschließlich Karten akzeptiert.

Jens Wieseke vom Fahrgastverband IGEB forderte, auch an Fahrgäste zu denken, die nicht im Homeoffice arbeiten – sondern zum Beispiel im Krankenhaus. Für sie müsse das tägliche Pendeln preiswerter werden, sagte er.