Für Menschen, die unter Fettleibigkeit, starkem oder krankhaftem Übergewicht leiden, ist Corona ein besonderer Risikofaktor. Das bestätigen neue Daten von US-Wissenschaftlern. Die Forscher hatten in einer retrospektiven Studie rund 20.000 Erwachsene mit Adipositas sowie einem Body Mass Index von 35 und mehr berücksichtigt. Die Ergebnisse wurden bei Jama Surgery veröffentlicht. 5000 der Studienteilnehmer hatten sich zwischen 2004 und 2017 einer bariatrischen Operation unterzogen.  Bei einer bariatrischen, also gewichtsreduzierenden Operation werden Magen oder Darm oder auch beide Organe verändert, um so eine Gewichtsabnahme zu erreichen.  Bis zum Ausbruch von Corona im März 2020 hatten diese Menschen im Durchschnitt 21 Prozent ihres Körpergewichts verloren. Die etwa 15.000 nicht operierten Patienten der Kontrollgruppe hingegen nur zwei Prozent.

Ausgewertet wurden die Daten von rund 12.000 Studienteilnehmern. Dabei waren die Raten der Covid-Infektionen mit 9,1 Prozent  in der OP-Gruppe und 8,7 Prozent in der Kontrollgruppe ähnlich. Unterschiede gab es hingegen bei der Häufigkeit schwerer Krankheitsverläufe innerhalb von zwölf Monaten nach einer Infektion. Der Studie zufolge waren schwere Covid-Verläufe nach einer bariatrischen Operation im Vergleich zur Kontrollgruppe um 60 Prozent seltener. Die Wahrscheinlichkeit für eine stationäre Therapie war um 49 Prozent und die einer notwendigen Beatmung um 63 Prozent geringer.

Forscher von der Stanford University School of Medicine in den USA gehen in diesem Zusammenhang davon aus, dass Adipozyten im Fettgewebe offenbar ein Reservoir für Coronaviren sind. Die Wissenschaftler hatten Gewebeproben von adipösen Menschen mit und ohne Sars-CoV-2-Infektion untersucht, dazu Gewebeproben von Adipositas-Patienten, die zuvor an Covid-19 starben. In der New York Times kommentierte Professor David Kass von der Johns-Hopkins University in Baltimore die Studiendaten dahingehend, dass das Virus die begrenzte Immunabwehr von Fettgewebes offenbar umgehe, um sich dann dort einzunisten und von dort die „generalisierte Inflammation“ zu befeuern. Kass weist zudem daraufhin, dass Fettgewebe das größte Organ im Körper von Menschen mit Adipositas sei.