Berlin/Kiel - Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) hat sich offen für eine allgemeine Impfpflicht zur Bekämpfung der Corona-Pandemie gezeigt. Zwar hoffe er, „dass es am Ende ohne allgemeine Impfpflicht geht“, sagte Günther der Online-Ausgabe der Tageszeitung Die Welt. „Wenn nicht, bin ich allerdings auch bereit, diesen Schritt zu gehen.“ Das Land dürfe nicht dauerhaft von dieser Pandemie dominiert werden.

Die Politik müsse sich noch intensiver um Ungeimpfte kümmern. „Hier müssen wir noch mehr Druck machen“, sagte Günther. „Ich bin, wenn es um Impfpflichten und zusätzliche Einschränkungen für Ungeimpfte geht, jedenfalls für weitere Maßnahmen offen.“

Dagegen sprach sich der Regierungschef gegen einen generellen Lockdown aus. „Wir sind jetzt in einer Phase der Pandemie, in der es nicht mehr darum gehen kann, jeden Ungeimpften vor einer Infektion zu schützen. Jeder kann sich schützen lassen – durch eine Impfung. Das ist der Unterschied zur Lage vor einem Jahr. Und deshalb müssen wir auch mit den Einschränkungen differenzierter umgehen. Ein pauschaler Lockdown ist aus meiner Sicht keine angemessene Maßnahme.“

Daniel Günther: Lieber Impfpflicht als Lockdown

Günther warnte Bund und Länder vor überzogenen und damit kontraproduktiven Corona-Regeln. „Unsere Erkenntnis aus dem letzten Winter ist doch, dass das Infektionsgeschehen im privaten und damit zwangsläufig weniger regulierten Raum deutlich höher ist als an öffentlichen, regulierten Orten. Generelle Schließungen müssen wir deshalb vermeiden.“ Veranstaltungen und Gastronomie-Besuche müssten auch bei steigenden Infektionszahlen möglich sein.

Auch Bayern Ministerpräsident Markus Söder glaubt, dass Deutschland nicht an einer Impfpflicht vorbeikomme. Wie aber sieht es in Berlin aus? Die designierte Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) hält im Moment eine 2G-Regel noch für ausreichend. Nur Genesene und Geimpfte haben bei dieser Regel Zugang zu Veranstaltungen. Der Rest bleibt außen vor.