Berlin - Nach mehreren Corona-Fällen im Ensemble hat das Staatsballett Berlin alle Vorstellungen bis Anfang Januar abgesagt. Eine Infektionskette sei nicht bekannt, teilte die Leitung am Mittwoch in Berlin mit. Allerdings fallen Tänzerinnen und Tänzer aus, darunter Kontaktpersonen wie Solistinnen und Solisten. „Die Leitung des Staatsballetts bedauert den Ausfall sehr, der besonders an den Weihnachtstagen das Ensemble sowie die Gäste schmerzt“, hieß es.

Zuletzt hatte das Staatsballett für Aufmerksamkeit gesorgt, weil die Inszenierung des Märchen-Balletts „Nussknacker“ von Pjotr Iljitsch Tschaikowski ohne Überarbeitung nicht mehr gespielt werden soll. Die kommissarische Staatsballett-Chefin Christiane Theobald hatte dies in der B.Z. unter Verweis auf problematische Stellen in postkolonialen Zeiten etwa bei chinesischen und orientalischen Tänzen begründet. Der „Nussknacker“ müsse neu kontextualisiert werden. Der russische Botschafter Sergej Netschajew hatte die Entscheidung darauf in der Berliner Zeitung heftig unter anderem als „radikale Interpretation von politischer Korrektheit“ kritisiert.

Zuletzt hatten sich nach Rassismus-Vorwürfen und einem nicht verlängerten Vertrag eine Tänzerin und das Staatsballett auf einen Vergleich geeinigt. Das Ballett hatte wegen der Vorwürfe bereits Konsequenzen angekündigt, jegliche Form von Diskriminierung und Rassismus seien nicht tragbar. Die Tänzerin soll wiederholt rassistische Kommentare von einer Trainingsleiterin bekommen haben.

Bereits davor hatten die beiden Co-Intendanten Sasha Waltz und Johannes Öhman das Staatsballett überraschend verlassen. Der Choreograf Christian Spuck, zurzeit Direktor des Balletts Zürich, soll nun zur Spielzeit 2023/24 neuer Intendant werden.