BerlinIn Corona-Zeiten geht es vielen Menschen finanziell schlecht: Sie wurden in Kurzarbeit geschickt oder haben ihren Arbeitsplatz aufgrund der Lockdown-Maßnahmen verloren. Für Betroffene bietet der Imbiss „Curry-Paule“ an der Rudower Stubenrauchstraße 103 nun eine kleine Aufmunterung. Wer knapp bei Kasse ist, bekommt eine Currywurst kostenlos. Die Rechnung bezahlen Kunden, die es sich leisten können.  

Das Prinzip ist so einfach wie einfallsreich: Finanzkräftige Imbiss-Besucher bestellen und bezahlen am Tresen eine Currywurst mehr, als sie essen. Als Spendenbeleg erhalten sie einen Zettel, den sie an eine Tafel neben dem Imbisswagen tackern. Umgekehrt kann jeder, der kein Geld für eine Mahlzeit hat, einen Zettel abnehmen und diesen am Tresen gegen eine Currywurst mit Brötchen eintauschen. 

„Wer sich einen Zettel nimmt, muss keine Sorge haben, am Tresen befragt zu werden oder sich outen zu müssen“, betont Andreas Kämpf alias „Curry-Paule“ im Gespräch mit der Berliner Zeitung. Auf seiner Internetseite hat Kämpf ein Foto veröffentlicht, das ihn an der Seite des Neuköllner Bezirksbürgermeisters Martin Hikel (SPD) zeigt. Der Politiker begrüßt die Aktion und lobt ausdrücklich den „Solidargedanken“, der hier von einem Berliner Unternehmer hochgehalten werde.

Foto: Eric Richard
„Curry-Paule“ macht vor, wie Spendenzettel an die dafür vorgesehene Tafel getackert werden.

Imbiss-Betreiber Kämpf hat sich für seine Aktion auch einen Namen ausgedacht. Sie heißt: #einemehr. Er ruft nun andere Gastronomen auf, seinem Beispiel zu folgen. Dies könnten beispielsweise Dönerbuden oder Coffeeshops sein, die Essen zum Mitnehmen anbieten und in Zeiten des Teil-Lockdowns noch öffnen dürfen.

In den USA gibt es das Prinzip des „Eins nehmen, zwei bezahlen“ schon länger. Kunden von Kaffeehäusern und Restaurants übernehmen die Kosten eines zusätzlichen Kaffees, der dann zum Beispiel an Obdachlose weitergegeben wird.