Berlin - Die Berliner Clubcommission wehrt sich gegen Berichterstattung, der zufolge Clubs und Bars Corona-Hotspots sind. Die von der Luca-App zu Warnmeldungen des Gesundheitsamtes führenden Zahlen rückten die Clubszene „fälschlicherweise“ in ein falsches Licht, heißt es in einer am Sonntag auf der Website des Verbands veröffentlichten Mitteilung

Hintergrund ist eine anonymisierte Auswertung der Warnmeldungen für Oktober, die aus dem System der Luca-App generiert wurden. 49,1 Prozent der Warnungen betreffen demnach Clubs, 23,2 Prozent Bars. Daraus schlossen viele Medien, dass das Nachtleben ein Pandemiebetreiber sei – auch die Berliner Zeitung. Die Tagesschau und andere Onlineportale wählten Formulierungen wie „Bars und Clubs sind Corona-Hotspots“.

Clubcommission: Trotz Impfdurchbrüchen sind Clubs keine Corona-Hotspots

Die Clubcommission bemängelt nun: „In der Berichterstattung wurden Zusammenhänge zwischen Infektionen und Nachtleben, ebenso wie zwischen Warnungen des Gesundheitsamts und tatsächlichen Ansteckungen konstruiert, die nicht existieren.“ Zur Begründung führt der Verein die im Vergleich zu anderen Bereichen des öffentlichen Lebens strengen Einlasskontrollen und akribische Verfolgung von Infektionen während Clubnächten, an denen gemäß der 2G-Regel nur Geimpfte und Genesene teilnehmen dürfen, an. Auch wenn Impfdurchbrüche zu verzeichnen seien, lasse sich derzeit keine massenhafte Übertragung beobachten. 

Corona-Hotspots entstünden nicht in Clubs, sondern vielmehr „in ländlichen Regionen mit geringer Impfquote“. Dies würden unter anderem die „enormen Unterschiede der Inzidenzen zwischen geimpften und ungeimpften Personen“ belegen. Der Vorwurf, in Clubs würden sich massenhaft und unkontrolliert Personen mit Corona infizieren, sei „grotesk“. 

RKI-Chef Wieler: Clubs sind Corona-Hotspots

Laut Luca-Auswertung ist der Einzelhandel mit nur ein Prozent der insgesamt vom Gesundheitsamt verschickten Warnungen vergleichsweise sicher. Die Clubcommission weist jedoch darauf hin, dass hier nur in seltenen Fällen, die Möglichkeit des Check-Ins gegeben sei. Auch in anderen Bereichen des öffentlichen Lebens seien diese Check-Ins keine Voraussetzung für den Zutritt oder würden gar nur unzureichend geprüft, heißt es. In diesem Zusammenhang entstehe eine „Scheinkorrelation, in der Infektionen auf Orte, die eine konsequente und überwiegend digitale Publikumserfassung ermöglichen, zurückgeführt werden“.

Auch der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, sieht die Clubszene für die rasant steigenden Corona-Zahlen in der Mitverantwortung. Am Mittwochabend sagte Wieler im Rahmen einer Online-Veranstaltung: „Wir haben zu schnell in zu vielen Bereichen geöffnet.“ Und weiter: „Clubs und Bars sind Hotspots, aus meiner Sicht müssen die geschlossen werden.“