BerlinZum Schutz vor einer möglichen Corona-Infektion will der Bund Mitarbeitern von Behörden und Ministerien bei Dienstreisen im Zug in den kommenden Monaten einen leeren Nachbarplatz zahlen. Das berichtete die Süddeutsche Zeitung (SZ) unter Berufung auf ein Schreiben des Bundesinnenministeriums an Oberste Bundesbehörden. Dazu gehören etwa das Bundespräsidialamt, die Bundestagsverwaltung sowie der Bundesrechnungshof.

Für Bahnfahrten könne ein zusätzlicher Nachbarplatz nicht nur reserviert, sondern auch gebucht werden, heißt es in dem Schreiben. Dies solle im Sinne des Infektionsschutzes einen größeren Abstand zu den Mitreisenden sicherstellen. Die erweiterte Erstattungsmöglichkeit soll befristet bis Ende März 2021 gelten. Die Deutsche Bahn und auch ihr Eigentümer, der Bund, lehnen bislang trotz steigender Infektionszahlen einen garantierten Mindestabstand in den Fernzügen für alle Passagiere ab. Bahn und Verkehrsministerium verweisen darauf, dass es keinen Nachweis über eine besondere Ansteckungsgefahr in Zügen gebe. 

FDP-Politiker: Reservierungspflicht wäre richtig

Die Pläne des Bundes, einen leeren Platz zu zahlen, sorgt in der Opposition für Irritationen. Der Verkehrspolitiker Christian Jung (FDP) sagte der SZ: „Diese skurrile Entwicklung bestätigt, dass eine Reservierungspflicht richtig wäre.“ Die Bahn habe trotz mehreren Monaten Zeit versäumt, eine digitale Lösung einzuführen. Der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Stefan Gelbhaar, warf im Gespräch mit der Zeitung die Frage auf, „warum der Bund einen Mindestabstand in Zügen nur für die Mitarbeiter und nicht für alle Passagiere garantiert“.

Auch bei Flugreisen erlaubt der Bund laut Süddeutscher Zeitung Mitarbeitern, einen Mittelsitzplatz dazuzubuchen, um mehr Abstand zu haben. Außerdem empfiehlt der Bund Mitarbeitern dem zitierten Schreiben nach auch das Auto: Die Nutzung eines Mietwagens könne anerkannt werden, da das Infektionsrisiko mangels Mitreisender geringer ausfalle. Dienstreisen von Bundesbeamten sollen wegen der Corona-Pandemie offiziellen Angaben zufolge grundsätzlich vermieden werden. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur liegt die Zahl solcher Reisen aktuell rund 70 Prozent unter dem Niveau von 2019.