Berlin - Die Kassenärztliche Vereinigung Berlin (KVB) hat überrascht bis verärgert auf die Nachricht reagiert, dass die Priorisierung für alle Corona-Impfstoffe in den Arztpraxen in Berlin ab Montag aufgehoben wird. Dieser Schritt sei unerwartet gekommen. Die Kassenärzte befürchten Chaos und Überforderung. „Zu diesem Vorgehen hat es mit uns im Vorfeld leider keine Absprache gegeben. So war eine rechtzeitige Information der KV Berlin gegenüber den Praxen nicht möglich, die nunmehr ab Montag mit einem noch größeren Ansturm impfinteressierter Berlinerinnen und Berliner rechnen müssen“, heißt es seitens des Vorstands der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Berlin.

Es wäre hilfreich gewesen, die Ärzte vorab in die Überlegung mit einzubeziehen, auch vor dem Hintergrund, dass gerade erst die Priorisierungsgruppe 3 zum Impfen eingeladen werde, so die KV. Viele Menschen – auch mit chronischen Erkrankungen – hätten noch keine Impfung erhalten, hieß es weiter. Die KV Berlin bittet die Ärzte jetzt, an den Kriterien wie Alter, Vorerkrankung und Zugehörigkeit zu bestimmten Berufsgruppen festzuhalten.

Es sei völlig unklar, ob die Arztpraxen in Berlin dem Patientenansturm gewachsen seien. „Mit der kurzfristigen Aufhebung der Priorisierung weckt der Berliner Senat falsche Erwartungen bei den Berlinerinnen und Berlinern und provoziert damit das Chaos in den Praxen. Die Frage der Impfpriorisierung darf nicht zum Wahlkampfthema gemacht werden, sondern hat wohlüberlegte sachliche Hintergründe“, heißt es abschließend aus der KV. Bisher war die Vergabe des Impfstoffs an Kriterien wie Alter, Vorerkrankung und die Zugehörigkeit zu bestimmten Berufsgruppen geknüpft.

Senat räumt ein: Corona-Impfstoff weiterhin knapp

Das Vorgehen des Senats bedeutet allerdings nicht, dass jeder sofort nächste Woche geimpft werden kann. Die verfügbaren Impfstoffmengen sind laut Gesundheitsverwaltung zunächst weiter relativ knapp, erst ab Juni werde mit größeren Mengen gerechnet. Patienten, die zu einer der drei Prioritätengruppen zählen und noch nicht geimpft sind, hätten zudem weiter Vorrang, erläuterte der Sprecher. Für die Impfzentren der Hauptstadt ändere sich am bisherigen Vorgehen zunächst nichts.