Berlin - Das Land Berlin behält sich eine Beschaffung des russischen Corona-Impfstoffs Sputnik V vor, sieht hier aber zunächst den Bund am Zug. „Wir prüfen das“, sagte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) am Donnerstag auf die Frage der Nachrichtenagentur dpa, ob Berlin dem Beispiel Bayerns und Mecklenburg-Vorpommerns folgen will. „Aber ich erwarte vom Bund, dass er jeden möglichen Impfstoff beschafft.“

Bayern und Mecklenburg-Vorpommern haben sich noch vor der möglichen EU-Zulassung von Sputnik V Optionen auf zusammen 3,5 Millionen Impfdosen gesichert. Hintergrund der Vorstöße: Noch ist Impfstoff gegen Corona in Deutschland ein knappes Gut.

Brandenburg sondiert bereits mit Russland, inwieweit Lieferungen des Impfstoffs Sputnik V möglich sind. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hofft jedoch laut der Märkischen Allgemeinen Zeitung (MAZ) ebenfalls auf ein Handeln im Bund. „Wenn die Bundesregierung in dieser Hinsicht stärkere Aktivitäten übernimmt, hätte ich nichts dagegen“, so Woidke.

Spahn will mit Russland über Sputnik V sprechen

Gegenüber dem„ Morgenecho“ von WDR 5 kündigte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) an, bilaterale Gespräche mit Russland über eventuelle Lieferungen des Impfstoffs Sputnik V führen zu wollen. Hintergrund sei, dass die EU-Kommission am Mittwochabend erklärt habe, sie werde über Sputnik V nicht Verträge schließen wie mit anderen Herstellern wie etwa Biontech.

Spahn knüpfte eine mögliche Bestellung des russischen Vakzins an zwei Voraussetzungen: Notwendig sei zum einen eine Zulassung durch die EU. „Dafür muss Russland Daten liefern.“ Zum anderen sei der Zeitpunkt der Lieferung ein wichtiger Faktor: „Um wirklich einen Unterschied zu machen in unserer aktuellen Lage, müsste die Lieferung schon in den nächsten zwei bis vier, fünf Monaten kommen – ansonsten haben wir so oder so mehr als genug Impfstoff.“