Stendal - Ein Landkreis in Sachsen-Anhalt hat entgegen offizieller Vorgaben 320 Polizisten bei der Corona-Schutzimpfung bevorzugt. Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) bestätigte den Vorgang im Landtag auf Anfrage des Linke-Politikers Wulf Gallert. Sie zeigte sich verärgert und kündigte an, den Landkreis für die nach ihren Angaben nicht abgesprochene Aktion zu ermahnen.

Polizisten gehören, sofern sie nicht schwer krank oder sehr alt sind, nicht zur ersten, sondern zur zweiten Prioritätsgruppe im Impfplan. Die Impfverordnung und die  darin festgelegte Reihenfolge sei „keine Empfehlung“, so Grimm-Benne. Auch der Landkreis Stendal bestätigte den Vorgang. Es habe sich um einen Test für das Szenario gehandelt, dass plötzlich jenseits von Impfzentren und Pflegeheimen viele Menschen geimpft werden müssten, sagte ein Sprecher.

Landkreis verteidigt die Aktion

So etwas könne man „nicht am Schreibtisch“ planen, sagte er. Ein Testlauf, in dem nur die Abläufe vor und nach dem Pieks, nicht aber die Impfung selbst geprobt werden, wäre nicht realistisch genug gewesen, hieß es. Den Impfstoff nahm der Landkreis den Angaben zufolge aus einer Reserve ab, die für die Zweitimpfungen bereits geimpfter Menschen gedacht ist. Der Stoff solle wieder aufgefüllt werden, sobald die Polizisten im Impfplan an der Reihe sind, so der Sprecher.

Der Kreis habe für den Probelauf Polizisten ausgewählt, da diese kurzfristig in ausreichender Anzahl zur Verfügung gestanden hätten. Außerdem, sagte der Sprecher weiter, habe man sich gedacht: Wenn man schon einen solchen Test mache, könnten auch diejenigen davon profitieren, „die uns schützen“. Viele Pflegekräfte und weiteres medizinisches Personal, die der Landkreis laut Impfverordnung vorher hätte impfen müssen, warten in Sachsen-Anhalt laut der Deutschen Presse-Agentur noch auf einen entsprechenden Termin.