Berlin - Die Bildungsverwaltung von Senatorin Sandra Scheeres (SPD) wollte ursprünglich am Dienstag entscheiden, wie mit den Abiturprüfungen in Berlin mitten in der Corona-Krise umgegangen wird. Doch eine Entscheidung wurde auf die nächsten Tage vertagt.  

Nach Informationen der Berliner Zeitung ist eine Verschiebung der Abiturprüfungen vom April auf das Schuljahresende im Juni denkbar und eine Option. Dieses Vorgehen hatte der Landeselternausschuss bereits in einem Schreiben gefordert.

Scheeres hat dem Vernehmen nach ihre Entscheidung bereits getroffen. Im abschließenden Schritt geht es anscheinend nur noch um die Abstimmung mit Brandenburg. Doch offenbar hakt es hier noch.

Der Landeselternausschuss hatte in seinem Brief außerdem gefordert, die Prüfungsinhalte zu präzisieren und die Anzahl von Klassenarbeiten und Klausuren zu reduzieren. Überdies müsse die Auswahl der Klausurthemen im Abitur erweitert werden, so der Landeselternausschuss.

Der Vorsitzende des Landeselternausschusses, Norman Heise, hält eine Verschiebung des Abiturs nach wie vor für die beste Lösung. Der Berliner Zeitung sagte er: „Wenn die Schüler im Sommer noch etwas Präsenzzeit in der Schule vor dem Abitur haben und dann gemeinsam die Prüfung ablegen, ist die Chancengleichheit gewahrt.“ Eine weitere Verlegung der Prüfung in das neue Schuljahr hinein sei organisatorisch nicht mehr machbar, so Heise weiter.

Er teilt aber die Bedenken einiger, dass Berliner Alleingänge zur Benachteiligung der Abiturienten führen könnten. Das Berliner Abitur dürfe nach einer Verschiebung nicht weniger wert sein. Ähnlich sieht es Paul Fresdorf, bildungspolitischer Sprecher der FDP: „Verschiebung ja, aber das Vorgehen müsste mit der Kultusministerkonferenz abgesprochen werden. Berliner Abiturienten dürfen mit einer Verschiebung der Prüfung nicht benachteiligt werden. Das Berliner Abitur müsste gleichwertig zu dem der anderen Bundesländer sein. “

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) begrüßt die Pläne von Bildungssenatorin Scheeres: „Eine Verschiebung ist nach Absprache mit Brandenburg sinnvoll “, so GEW-Vorsitzender Tom Erdmann zur Berliner Zeitung. Er hätte sich lieber eine andere Entscheidung der Kultusministerkonferenz (KMK) gewünscht. Diese hatte vergangene Woche beschlossen, dass das Abitur trotz des Corona-Jahres durchgeführt wird. „Die Länder hätten mehr Fokus auf die Lernzeit legen sollen und weniger auf die Prüfungszeit“, so Tom Erdmann. Ihm wäre ein schlankeres Abitur lieber gewesen. „Es reicht, wenn man die Prüfung nur in den Leistungskursen abnimmt.“

Scheeres hatte bereits am Freitag angekündigt, den letzten Schultag für die Abiturienten in Berlin um drei Wochen nach hinten zu verlegen. Ursprünglich war der 23. März vorgesehen, nun wird der 13. April der letzte Schultag sein.