Skifahrer in Tirol (Archivbild)
Foto: dpa/Felix Hörhager

InnsbruckBeim umstrittenen Corona-Management im österreichischen Ischgl sind laut einer Expertenkommission schwere Versäumnisse vorgekommen. So sei der Betrieb der Skibusse und der Seilbahnen erst einen Tag später als erforderlich eingestellt worden, sagte der Kommissionsvorsitzende Ronald Rohrer.

Die Verkündung der Quarantäne über das Paznauntal durch Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am 13. März hätte aus Sicht der Experten besser vorbereitet werden müssen. Es habe panikartige Reaktionen bei den vielen ausländischen Gästen gegeben, die versucht hätten, schnell die Region zu verlassen. Die Touristen seien nicht sofort informiert worden, dass sie über das Wochenende „gestaffelt und kontrolliert“ abreisen sollten, so Rohrer. Außerdem habe es keinen Evakuierungsplan gegeben.

Die Behörden sollen früher als behauptet von den Problemen gewusst haben

Für einen oft kolportierten Einfluss der Tourismus- und Seilbahnwirtschaft auf die Entscheidungen der Behörden gebe es keine Anhaltspunkte. Die anfängliche Reaktion der Behörden nach Bekanntwerden der ersten Fälle mit Bezug zu Ischgl um den 3. März wertete sie als positiv und angemessen. Recherchen der ORF-Nachrichtensendung ZIB2 und des Nachrichtenmagazins profil zufolge wussten die Behörden aber früher als selbst angegeben von dem Corona-Cluster  in dem Ort.

Die Kommission hatte für den Bericht insgesamt 53 Menschen befragt, darunter Betroffene, Vertreter der Seilbahn- und der Tourismuswirtschaft sowie Verantwortliche auf Bezirks-, Landes- und Bundesebene. Der 1600-Einwohner-Ort in Tirol gilt nicht zuletzt wegen der dortigen Feiern beim Après-Ski als einer der Hotspots bei der Verbreitung des Coronavirus in Teilen Europas. Auch viele deutsche Gäste steckten sich hier an.

Bei einem Verbraucherschutzverein, der die Interessen der Geschädigten vertreten will, haben sich inzwischen mehr als 6000 Tirol-Urlauber aus 45 Staaten gemeldet. Tausende Corona-Infektionen in Europa sollen auf Menschen, die in Tirol Urlaub gemacht haben, zurückzuführen sein. Die Staatsanwaltschaft Innsbruck ermittelt gegen vier Verdächtige wegen vorsätzlicher oder fahrlässiger Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten.