BerlinNach dem Corona-Ausbruch in einem Pflegeheim in Berlin-Lichtenberg ist die Zahl der Toten laut Gesundheitsverwaltung auf 15 gestiegen. Zurzeit gebe es 30 infizierte Bewohner in der Einrichtung sowie 17 infizierte Mitarbeiter in Quarantäne, teilte die Behörde am Dienstag mit. Eine Sprecherin der Betreiberfirma Kursana sagte, drei weitere positiv getestete Bewohner sollten am Dienstag verlegt werden. Am Montag hatte der Betreiber von 14 gestorbenen Bewohnern berichtet.

Am Dienstag veröffentlichte Kursana zunächst keine neuen Zahlen zum Infektionsgeschehen in dem Haus. Die Sprecherin stellte in Aussicht, dass dies nach Abschluss erneuter Corona-Tests bei allen Bewohnern und Mitarbeitern erfolgt. Das Gesundheitsamt testete die Menschen demnach am Dienstag. „Sollten sich dabei noch weitere positive Fälle im Haus ergeben, wird über das weitere Vorgehen beraten“, hieß es. Ein Teil der Bewohner war bereits vor einigen Tagen verlegt worden.

Wurden Mitarbeiter trotz Krankheitssymptomen zur Arbeit angehalten?

Unterdessen rechnet Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci für Mittwoch mit einem Bericht des zuständigen Amtsarztes. Es sei entscheidend zu schauen, warum es trotz Hygienevorgaben und Schutzkleidung zu einem Ausbruch dieses Ausmaßes gekommen sei, sagte die SPD-Politikerin am Dienstag nach der Senatssitzung. Ein, zwei Infektionen seien nie hundertprozentig zu verhindern. „Aber wie konnten sich solche Infektionen ausbreiten in dieser Form? Das ist ganz klar, dass da irgendwas schiefgelaufen ist.“

Als „No-Go“ bezeichnete es die SPD-Politikerin, wenn Beschäftigte im Pflegeheim zum Arbeiten trotz Symptomen angehalten worden sein sollten - wovon sie gehört habe. „Wenn das stimmt, dass das der Fall war, dann muss ich sagen, ist es wirklich fahrlässig.“ Der Betreiber streite dies aber ab. Kalayci sagte, nach ihrer Einschätzung könnten menschliches Versagen und Betreiber, die das Thema Hygiene nicht so richtig ernst nähmen, zu solchen Ausbrüchen führen.

Pflegeheim-Betreiber: „Pauschale öffentliche Vorwürfe“ nicht hilfreich

Kursana hatte am Montag erklärt: „Wir haben keine Kenntnis davon, dass Mitarbeiter angerufen oder aufgefordert wurden, trotz grippeähnlicher oder anderer Symptome in die Einrichtung zu kommen.“ Am Dienstag teilte die Sprecherin weiter mit, „pauschale öffentliche Vorwürfe“ seien nicht hilfreich - man bitte alle Beteiligten im Sinne der Bewohner, ihrer Angehörigen und der Mitarbeiter um Zurückhaltung. „Selbstverständlich gehen wir allen konkreten Hinweisen auf Fehlverhalten sofort nach.“

Rund ein Drittel der Menschen, die in Berlin seit Pandemiebeginn nach Corona-Infektionen starben, waren Bewohner von Alten- und Pflegeheimen. Das geht aus Daten der Gesundheitsverwaltung hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen. Demnach starben mit Stand Montagnachmittag insgesamt 132 Bewohnerinnen und Bewohner stationärer Pflegeeinrichtungen im Zusammenhang mit dem Virus. Dem Corona-Lagebericht zufolge wurden in der Hauptstadt bisher insgesamt 393 Todesfälle im Zusammenhang mit Sars-CoV-2 verzeichnet.

Seit Pandemiebeginn meldeten 183 stationäre Pflegeeinrichtungen in der Stadt laut Gesundheitsverwaltung bestätigte Fälle, betroffen waren insgesamt 1021 Bewohner sowie 603 Mitarbeiter solcher Einrichtungen. Angaben zu den in ganz Berlin aktuell Infizierten im Pflege-Bereich machte die Verwaltung zunächst nicht.