ZittauDas Krematorium im sächsischen Zittau ist wegen der dramatisch hohen Corona-Todeszahlen an seine Kapazitätsgrenzen gestoßen und muss seine Toten nun auslagern. Die Toten sollen „im Bereich des Hochwasserstützpunkts“ gelagert und „bei Freigabe zur Einäscherung“ ins Krematorium gefahren werden, teilte die Stadt Zittau am Dienstagabend mit. Darauf habe sich die Geschäftsführung des Krematoriums mit Oberbürgermeister Thomas Zenker kurzfristig geeinigt.

Zittau liegt im Landkreis Görlitz, der besonders schwer von der Corona-Pandemie betroffen ist. In dem Kreis liegt die Inzidenz derzeit bei 582,1. Zum Vergleich: Bundesweit vermeldete das RKI für Dienstag eine Inzidenz von 198.

Im Dezember explodierte nach Angaben der Stadt die Zahl der Toten. Während im vergangenen Jahr im Dezember 45 Menschen starben, waren es in diesem Monat bislang schon 115. Im November verdoppelte sich die Zahl der Toten von 52 im vergangenen Jahr auf 110 in diesem Jahr. Im Oktober vergangenen Jahres starben 45 Menschen, in diesem Jahr 73.

Die Zahl der notwendigen Einäscherungen übersteige derzeit „mitunter die Kapazitäten des Zittauer Krematoriums“, hieß es. Es gebe deutlich höhere Sterbefallzahlen, mehr Aufnahmegespräche, Leichenschauen und Beurkundungen in den Standesämtern. Alle Beteiligten seien an den „Belastungsgrenzen“.

In dem Krematorium müssen demnach seit zehn Tagen permanent etwa 70 Verstorbene versorgt werden, „weshalb es dringend notwendig ist, die Arbeitssituation für die Mitarbeiter des Krematoriums zu entspannen.“

Die Übersterblichkeit ist laut dem Statistischen Bundesamt in Sachsen besonders hoch. Die Differenz zum Durchschnitt der vier Vorjahre nehme dort derzeit von Woche zu Woche deutlich zu. In der 41. Kalenderwoche habe die Zahl der Sterbefälle noch unter dem Durchschnitt gelegen, in der 47. Kalenderwoche um 46 Prozent darüber.