Berlin - Um in der Corona-Pandemie die Sicherheit in den Gefängnissen zu wahren, befinden sich derzeit 500 Häftlinge in Berlin im sogenannten Langzeitausgang. Das wurde der Berliner Zeitung aus Justizkreisen bestätigt. Langzeitausgang bedeutet, dass die Häftlinge dann auch mehr als eine Nacht zu Hause verbringen dürfen. Früher war die Bezeichnung dafür Hafturlaub. Wie lange er geht, wird im Einzelfall des Gefangenen geprüft.

Auch der Drogerie-Erbe Lars Schlecker, der seit Juni 2019 seine Freiheitsstrafe im offenen Vollzug der JVA-Hakenfelde in Spandau absitzt, bekam Langzeitausgang, heißt es aus Justizkreisen. Einen Promi-Bonus habe es für ihn nicht gegeben. Vielmehr seien ein Job und ein gesichertes soziales Umfeld ausschlaggebend für die Gewährung gewesen, ist zu erfahren. Unklar ist auch, in welchem Umfang er den Ausgang bekam. Nach Recherchen der Berliner Zeitung hat Lars Schlecker bis zuletzt in einem Berliner Sozialkaufhaus gearbeitet und dort Möbel verkauft.      

Schlecker, einst Europas größte Drogeriekette, war 2012 insolvent gegangen. Eine Rettung schlug fehl, Tausende Mitarbeiter in ganz Deutschland verloren ihre Jobs. Die Kinder von Gründer Anton Schlecker, Lars und Meike Schlecker, wurden unter anderem wegen Untreue und Insolvenzverschleppung zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Beide traten im Sommer 2019 ihre Haftstrafen in Berlin im offenen Vollzug an. Gründer Anton Schlecker bekam eine Bewährungs- und eine Geldstrafe.