ErfurtThüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow hat sich für noch weitreichendere Einschränkungen im Kampf gegen das Coronavirus ausgesprochen. „Wir müssen endlich in einen richtigen Lockdown gehen“, sagte der Linke-Politiker im Interview der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Er ärgere sich, nicht bereit gewesen zu sein, den Dezember mit seinen vielen Feiertagen für eine bundesweit Generalpause zu nutzen. „Alles, was nicht lebensnotwendig ist oder systemisch nicht abgestellt werden kann, hätte vier Wochen lang angehalten werden müssen.“

Eine permanente Verlängerung von Einzelmaßnahmen, die aber insgesamt nicht zum Austrocknen des Virus führten, sei ein teurer und falscher Weg. Ramelow kritisierte auch die Ungleichheit der bisherigen Maßnahmen, für die ausschließlich Gastronomen, Hoteliers, Künstler und Solo-Selbstständige, Schausteller und alle Kinder zur Pandemieabwehr in Verantwortung genommen würden – die gesamte weitere Wirtschaft aber so tue, als wäre nichts.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe den heftigen Anstieg der Infektionszahlen schon im Oktober vorausgesagt. „Die Kanzlerin hatte Recht, und ich hatte Unrecht“, sagte Ramelow rückblickend. Der Thüringer Landeschef hatte sich lange gegen besonders harte Maßnahmen in der Pandemie gestemmt.