Berlin - Ob neue Schuhe, die vor dem Kauf auch anprobiert werden können, Blumenerde aus dem Gartencenter oder ein größeres Fahrrad: Ab kommendem Montag darf der Einzelhandel trotz zuletzt leicht steigender Infektionszahlen wieder öffnen – allerdings in engen Grenzen. In Berlin gilt das ab Dienstag, da Montag ein Feiertag ist. Verbraucherinnen und Verbraucher müssen beim Shoppen einiges beachten.

Blumengeschäfte, Gartenmärkte

Für Blumengeschäfte und Gartenmärkte gilt: Sie zählen laut den Beschlüssen des Corona-Gipfels künftig in allen Bundesländern zum Einzelhandel des täglichen Bedarfs – so wie bislang etwa Bäcker, Drogerien oder Supermärkte. Das heißt, sie können – entsprechende Hygienekonzepte vorausgesetzt – je zehn Quadratmeter Verkaufsfläche eine Kundin oder einen Kunden hineinlassen. Das gilt für die ersten 800 Quadratmeter. Ist der Laden größer, darf ab der 800-Quadratmeter-Schwelle dann für jede weiteren 20 Quadratmeter ein Kunde oder eine Kundin hinzukommen. Buchhandlungen sind in Berlin bereits geöffnet. In anderen Bundesländern gibt es nun auch für diese Läden eine Öffnungserlaubnis mit Auflagen.

Einzelhandel und Inzidenz

Für den übrigen Einzelhandel von Modegeschäften über Spielzeughändler bis hin zu Elektronikmärkten oder Möbelhäusern spielen die Inzidenzwerte vor Ort eine besondere Rolle, also wie hoch der Sieben-Tage-Wert bei den Corona-Neuinfektionen je 100.000 Einwohnern liegt.

Laut Beschluss können die Bundesländer „landesweit oder regional“ Öffnungen ermöglichen, wenn die Inzidenz stabil bei unter 50 liegt. Das ist derzeit bereits in Dutzenden der insgesamt 294 Landkreise in Deutschland der Fall. In Berlin liegt die Sieben-Tage-Inzidenz derzeit bei 70,5 (Stand Donnerstag, 16 Uhr). Hier gilt: Steigen die Infektionszahlen wieder über 100, können die erlaubten Öffnungen wieder zurückgenommen werden. Sinken sie hingegen unter 50, soll das Einkaufen weiter erleichtert werden.

Click and Meet

Wenn die Sieben-Tage-Inzidenz zwischen 50 und 100 liegt, darf der Einzelhandel nur für diejenigen öffnen, die sich vorher einen Termin gebucht haben. Dies gilt auch in Berlin ab dem 7. März. Dieses „Click and Meet“ genannte Konzept sieht vor, dass ein Kunde oder eine Kundin je 40 Quadratmeter Verkaufsfläche für dieses Terminshopping in den Laden darf – vorausgesetzt der Zeitraum ist begrenzt und der Besuch wird für eine eventuelle Kontaktnachverfolgung dokumentiert.

Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist „Click and Meet“ vor allem interessant, wenn sie Bedarf an Beratung haben. Denn beim bisherigen „Click and Collect“, also dem Abholen vorher bestellter Ware, ist das nicht erlaubt. Für das Buchen der Termine empfiehlt es sich, auf der Internetseite des Einzelhändlers nachzuschauen, eine E-Mail zu schreiben oder dort anzurufen. Um Einzelhändler, die technisch nicht immer auf dem aktuellen Stand sind, zu unterstützen, gibt es auch Unternehmen, die die Terminvereinbarungen über Internetangebote als Dienstleistung anbieten.

Der Handelsverband HDE kritisiert indes, dass „Click and Meet“ die meisten Händler wirtschaftlich nicht retten könne – denn Personal- und Betriebskosten seien hierbei oft höher als die Umsätze.

Welche Befürchtungen gibt es?

Die Lockerungen für den Einzelhandel sind wie die übrigen Beschlüsse des Corona-Gipfels vor allem ein Balanceakt: Befürchtungen, die Infektionszahlen könnten wieder deutlich steigen und die Öffnungen womöglich zu Menschenansammlungen vor Geschäften oder gar Shoppingtourismus in Regionen mit niedrigerer Inzidenz führen, stehen der Wunsch vieler Menschen nach Normalität oder die Existenzängste vieler Einzelhändler gegenüber.

Die Politik appelliert deshalb an die Bürgerinnen und Bürger, die Vorsichtsmaßnahmen wie Abstand, Hygiene und Maske weiter strikt einzuhalten. Welches Shoppingbedürfnis welchen Stellenwert und welche Dringlichkeit hat, sollten Konsumentinnen und Konsumenten daher sorgfältig abwägen. Denn vorgesehen in den aktuellen Beschlüssen ist auch für den Einzelhandel eine „Notbremse“: Steigt die Inzidenz an drei aufeinanderfolgenden Tagen in einem Bundesland oder einer Region auf über 100, treten ab dem zweiten darauffolgenden Werktag wieder die Regeln in Kraft, die derzeit noch gelten.

FDP: Baumärkte in Berlin sollten ohne Termin öffnen dürfen

Die Berliner FDP-Fraktion hat die neuen Öffnungsregeln für Gartencenter und Baumärkte in der Hauptstadt als realitätsfremd kritisiert. „Während andere Bundesländer den Baumärkten pünktlich zum Saisonstart eine reguläre Öffnung mit strengen Hygieneregeln ermöglichen, hält Berlin an der unnötigen Schließung fest“, sagte der FDP-Fraktionsvorsitzende Sebastian Czaja der Deutschen Presse-Agentur. Anders als noch im ersten Lockdown sei dort nur Einkaufen mit gebuchtem Termin möglich. „Das ist nicht nur aus Sicht des Infektionsschutzes überflüssig, sondern mal wieder ein Beispiel einer völlig realitätsfremden Regelung“, kritisierte Czaja.

„Gartencenter dürfen ganz regulär öffnen – die sind aber in der Regel in den Baumärkten integriert. Es macht keinen Sinn, dass ich im gleichen Geschäft meine Blumen jederzeit kaufen darf, um die Schippe zum Einpflanzen zu holen, aber umständlich einen Termin brauche“, argumentierte der FDP-Fraktionschef. „Diese Willkür bei den Regeln sorgt für weiteren Vertrauensverlust und zuletzt auch für Verlust der Akzeptanz für sinnvollere Maßnahmen.“ Der Berliner Senat hatte bei einer Sondersitzung am Donnerstag eine entsprechende Regelung beschlossen.