Braunschweig - Der Epidemiologe am Braunschweiger Helmholtz-Institut, Gérard Krause, erwartet keinen großartigen Effekt durch die geplanten bundesweiten Ausgangssperren. Dies sagte Krause am Montag im ZDF-Morgenmagazin. Die Ausgangssperren sind zwischen 21 Uhr und 5 Uhr vorgesehen.

„Gerade aus Frankreich gibt es entsprechende Beobachtungen, dass Menschen dann vor der Ausgangssperre sich gegenseitig besuchen und möglicherweise die ganze Nacht auf improvisiertem, verengtem Raum miteinander verbringen.“ Man dürfe sich keinen allzu großen zusätzlichen Effekt von Ausgangssperren erhoffen.

Krause: Neuinfektionen weniger aussagekräftig als Zahl der Covid-Erkrankten

Zudem hält der Epidemiologe die Zahl der Covid-Erkrankten für relevanter als die Zahl der Corona-Infizierten. „Wegen der Zunahme an Testaktivität, die ja erwünscht ist, und auch der Zunahme der Impfungen, die ebenfalls erwünscht ist, werden wir zwar weiterhin viele Infektionen sehen, aber hoffentlich deutlich weniger Erkrankungen“, sagte Krause in der Sendung. Insbesondere die Neuaufnahme von Covid-Patienten auf Intensivstationen bilde „sehr zeitnah und sehr gut die Dynamik der Pandemie ab“.

Auch von einer Aufweichung der Impfpriorisierung hält der Epidemiologe nicht viel. „Wir kennen noch viel zu viele Menschen, die hochbetagt sind oder gesundheitliche Risikofaktoren haben, die gerne geimpft würden, aber noch keine Impfung bekommen haben“, sagte Krause. Diese Menschen sollten auch weiterhin den Vortritt haben.

Mit der bundeseinheitlichen Notbremse soll der Bund erstmals in der Pandemie weitreichende Kompetenzen in der Pandemiebekämpfung von den Ländern übernehmen. Sie sieht neben der nächtlichen Ausgangssperre von 21 bis 05 Uhr auch Schließungen von Geschäften vor. Grenzwert soll eine Sieben-Tage-Inzidenz von 100 pro 100.000 Einwohner sein. In Berlin liegt die Inzidenz aktuell etwa bei 150.