BerlinBerlins Regierender Bürgermeister Michael Müller und Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres haben die schrittweise Öffnung der Berliner Schulen verteidigt. Es sei ein Abwägungsprozess, sagte der SPD-Politiker am Donnerstag im Berliner Abgeordnetenhaus (Livestream). Eine schnelle komplette Öffnung der Schulen hält Müller nicht für möglich. „Es bleibt dabei, ich möchte so dringend wie möglich in den Präsenzunterricht, weil ich weiß, wie die sozialen Folgen sind, wenn die Kinder nicht in die Schule gehen“, sagte der SPD-Politiker.

„Aber in der Abwägung, was ich ansonsten alles an Maßnahmen beschließe, kann ich nicht wegdiskutieren, dass es auch Infektionsketten gibt aus dem Schulgeschehen heraus. Und dann muss ich möglicherweise da auch einschränken.“ Der Präsenzunterricht werde ab der kommenden Woche wieder stufenweise hochgefahren. „Es ist mustergültig, dass wir die Abstands- und Hygieneregeln durch dieses schrittweise Vorgehen auch in der Schule umsetzen können.“

Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres verteidigte die Pläne des Senats zur schrittweisen Wiedereröffnung der Schulen trotz des Corona-Lockdowns als sachgerecht. „Es ist eine bewusste Entscheidung, eine durchdachte Entscheidung“, sagte die SPD-Politikern . Die Folgen seien unabsehbar, wenn etwa Grundschüler für sechs Wochen nicht in der Schule seien. Deshalb hätten auch Experten empfohlen, behutsam mit Kleinsten anzufangen: „Damit sie uns nicht wegrutschen“, so Scheeres.

Junge Menschen bräuchten gute Bildung und Schulabschlüsse für ihre Zukunft. Daher gelte es, verantwortungsvoll abzuwägen zwischen dem nötigen Gesundheitsschutz und dem Recht auf Bildung. „Hier müssen wir einfach einen guten Mittelweg gehen, dass wir hier die besten Möglichkeiten für unsere Kinder, Jugendlichen, Familien, aber eben auch für unsere Lehrkräfte haben.“

Die negativen Folgen der mehrwöchigen Schulschließungen während des ersten Lockdowns im Frühjahr seien noch heute zu spüren, sagte Scheeres. Sie nannte Lernleistung, Sprachdefizite, Übergewicht. Auch das gelte es zu beachten. Und immer wieder komme in der Corona-Krise die Forderung nach Planungssicherheit. „Deshalb ist es richtig zu sagen, wir stellen einen Plan auf bis nach den Ferien.“

Natürlich stehe jede Entscheidung unter dem Vorbehalt der Infektionslage. „Wenn sich die Situation wieder verschlechtern sollte, klar, muss man jede Maßnahme neu diskutieren“, so Scheeres.

Schrittweise Schulöffnungen in Berlin: Kritik von Eltern und GEW

Nach Angaben der Bildungsverwaltung ist ab 11. Januar für die abschlussrelevanten Jahrgänge Wechselunterricht geplant, also die Kombination aus Unterricht in der Schule und zu Hause. Ab dem 18. Januar soll es dann auch in den Klassen 1 bis 3 mindestens drei Stunden täglich Unterricht in der Schule geben. Ab dem 25. Januar soll die Regelung auf die Klassen 4 bis 6 ausgeweitet werden und ab dem 8. Februar auf alle Schularten und Jahrgänge.

Elternvertreter und die Bildungsgewerkschaft GEW sehen die Pläne skeptisch. Sie hatten am Donnerstag unter anderem kritisiert, dass einerseits die Kontakte auf ein Minimum beschränkt werden sollten, andererseits zahlreiche Schüler wieder zur Schule müssten.

CDU-Fraktionschef Burkard Dregger warf dem Senat mangelnde Unterstützung der Wirtschaft und erhebliche Versäumnisse in der Schulpolitik vor. „Die Bildungssenatorin hatte versprochen, unsere Schulen seien gut vorbereitet.“ Tatsächlich sei das aber im Hinblick auf das Homeschooling während der Schulschließungen nicht der Fall. Dregger kritisierte auch die vom Senat beschlossene schrittweise Rückkehr zum Präsenzunterricht in den Schulen ab 11. Januar. Dies geschehe „im Unwissen über die Virusmutationen und in Unkenntnis des Infektionsgeschehens während der Feiertage.“

Grüne fordern Schnelltest und FFP2-Masken für Lehrer 

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Silke Gebel hält das hingegen für richtig. „Jeder Tag Schulschließung ist ein Tag mehr, an dem wir riskieren, dass Kinder und Jugendliche zurückbleiben“, sagte sie. „Jeder Tag Lockdown bedeutet ein weiterer Tag, an dem die Schere zwischen denen, die lernen können, und denen, die nicht lernen können, größer wird.“ Begleitet werden müsse die Schulöffnung durch kostenlose Schnelltests für Lehrer sowie kostenlose FFP2-Masken und Luftfilteranlagen in allen Bildungseinrichtungen.

Linke-Fraktionschef Carsten Schatz nannte die Kombination aus Schulöffnung und Verschärfung der Kontaktbeschränkungen für private Treffen widersprüchlich. Es sei „wenig überzeugend“, bis 31. Januar faktisch zu untersagen, dass sich Kinder treffen dürfen, aber gleichzeitig wieder den Präsenzunterricht zu starten. Auch Gebel nannte die ab Sonntag geltende Regel für private Treffen – eigener Hausstand plus maximal eine Person – falsch. Konkret wünscht sie sich, dass Kinder dabei wie bisher generell nicht mitgezählt werden, also noch dazukommen dürfen. Hier müsse nachgesteuert werden. Nach der neuen Regel dürfen nur Alleinerziehende ihre Kinder mitbringen.