Wien - Angesichts einer raschen Ausbreitung von ansteckenderen Varianten des Coronavirus in Tirol könnten Teile des oder sogar das gesamte österreichische Bundesland unter Quarantäne gestellt werden. Die Regierung in Wien prüfe derzeit mit Experten alle Optionen, berichtete die österreichische Nachrichtenagentur APA unter Berufung auf „informierte Kreise“.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober hatte die Lage in Tirol zuvor als „ernst“ bezeichnet. Das Land Tirol habe noch am Mittwoch ein „sehr straffes Fünf-Punkte-Programm aufgestellt, mit dem die Situation genau untersucht werden soll“, sagte der Grünen-Politiker vor den Medien in Wien. Am Sonntag werde dann über das weitere Vorgehen entschieden. Gleichzeitig forderte Anschober möglichst rasche Massentests.

Einen gravierenden Schritt wie eine Quarantäne gebe die Datenlage nicht her, sagte Tirols Landeschef Günther Platter am Donnerstag im Landtag in Innsbruck. Zwar müsse man auf der Hut sein, aber es gelte, die Verhältnismäßigkeit zu wahren. Die südafrikanische Variante sei in Tirol bisher 75-mal identifiziert worden – nur fünf Betroffene seien aktiv positiv. Es würden nun die Kontaktnachverfolgung und das Testen intensiviert.

Gefahr durch Mutationen

Zuvor hatte die Virologin und Beraterin der österreichischen Regierung, Dorothee von Laer, den Tiroler Behörden Untätigkeit im Umgang mit den Corona-Mutanten vorgeworfen. In Zeitungsinterviews wies sie darauf hin, dass bereits 20 Prozent der Infektionen in Tirol auf die Varianten zurückzuführen seien, die zuerst in Großbritannien sowie in Südafrika entdeckt worden waren. Nach ihren Angaben traten zudem mindestens zwei bis drei eigenständige Tiroler Mutationen der südafrikanischen Variante auf. Als Konsequenz forderte die Virologin, das Bundesland einen Monat lang zu isolieren. Bedenklich sei die Entwicklung, weil neueste Studien den Schluss nahelegten, dass die Impfungen weniger gegen die Mutation wirkten und auch der natürliche Schutz durch Antikörper nach einer Erkrankung weit weniger gegen diese Variante helfe.

Nach Informationen von APA sind andere Experten, die die Regierung beraten, aber nicht alle der Meinung der Virologin. Es würden unterschiedliche Zahlen vorliegen, die nun geprüft werden müssten. Demnach sehen manche keinen Hinweis auf eine Tirol-Mutation des südafrikanischen Erregers. Tirol war bereits während der ersten Welle im Frühjahr abgeschottet. Von Mitte März bis Anfang April wurden alle Gemeinden unter Quarantäne gestellt und die Grenzen geschlossen.