Berlin - Mit dem Humboldt-Forum beginnt eines der zentralen deutschen Kulturprojekte im Herzen Berlins am Mittwoch seinen Eröffnungsreigen. Nach fast drei Jahrzehnten heftiger Auseinandersetzungen um Form und Inhalt sowie sieben Jahren Bauzeit wird das inzwischen 677 Millionen Euro teure Projekt coronabedingt zunächst nur digital eröffnet.

Unklar ist, wann erste Ausstellungen in dem Zentrum für Kunst, Kultur und Wissenschaft zu sehen sein werden. Die Eröffnung der einzelnen Bereiche ist in drei Etappen bis Ende 2021 geplant.

Das Humboldt-Forum steckt hinter der teilweise rekonstruierten Barockfassade des Berliner Stadtschlosses. Das rund 40.000 Quadratmeter umfassende Gebäude nach Plänen des italienischen Architekten Franco Stella liegt direkt gegenüber der weltberühmten Museumsinsel. Es nutzen künftig zwei Museen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, das Land Berlin und die Humboldt-Universität.

Gezeigt werden sollen Exponate etwa aus Asien, Afrika, Amerika und Ozeanien sowie Objekte zur Geschichte Berlins. Heftig diskutiert wird dabei über die koloniale Vergangenheit von Ausstellungsstücken. Die rekonstruierte Fassade steht für die Zeit der Hohenzollern, unter deren Herrschaft das Deutsche Reich Kolonialmacht wurde. Im heutigen Namibia wurden Aufstände von Volksgruppen unter deutschem Befehl brutal niedergeschlagen. Historikern zufolge wurden etwa 65.000 der 80.000 Herero und mindestens 10.000 der 20.000 Nama getötet. Im August 2019 forderte der Botschafter Nigerias, Yusuf Tuggar, von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) die Rückgabe Hunderter Stücke der Berliner ethnologischen Sammlung. Es handelt sich dabei um die weltberühmten Benin-Bronzen.

Kritik lösten auch Kreuz und Kuppel mit einem weithin sichtbaren Bibelspruch aus, mit dem die Unterwerfung aller Menschen unter das Christentum gefordert wird. Von den Hohenzollern während der Revolution 1848 nachträglich auf den Schlossbau gesetzt, markierten Kreuz und Kuppel den Herrschaftsanspruch der Monarchie.