Die Corona-Pandemie ist noch nicht vorbei, die Vorbereitungen für den Herbst laufen, Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) denkt laut über die Ausweitung der Maskenpflicht nach. Und jetzt hat der International Science Council (ISC), ein weltweiter Zusammenschluss von 200 Wissenschaftsorganisationen, nach langen Untersuchungen drei Szenarien entworfen.

Sie zeigen, wie die Pandemie bis 2027 global verlaufen wird und wie die Welt 2027, also in fünf Jahren, mit Corona umgeht. Ein optimistisches, pessimistisches und ein mittleres Szenario, das weder gut noch schlecht ist.

In seinem Bericht geht der International Science Council (ISC) auch auf Fehler ein, die die Politik während der bisherigen Pandemie mit den Corona-Maßnahmen und Lockdowns gemacht hat.

Die Wissenschaftler sprechen dabei von sozialen Folgen, politischen Folgen und Folgen für die Bildung, die sie jetzt schon für gravierend halten. Es müssten dringend die Weichen zu einem besseren Umgang mit Pandemien gestellt werden. Über die ISC-Veröffentlichung berichten mehrere Medien, unter anderem die Süddeutsche Zeitung.

1. Das Kontinuitätsszenario

Dieses Szenario ist weder besonders optimistisch noch pessimistisch, die Wissenschaftler halten es für am wahrscheinlichsten. In diesem Fall werden ungeimpfte Menschen weiterhin in ärmeren Ländern leben. Booster-Impfungen werden in reichen Ländern angeboten. Es wurde dann in Gesundheitssysteme und Bildung investiert.

Werbung
Werbung

Covid-19 ist endemisch geworden, es flammt immer wieder auf, was Auffrisch-Impfungen nötig macht. Allerdings ist das Vertrauen in den Staat gesunken, der Populismus ist stärker geworden, der soziale Zusammenhalt schwächer.

2. Das pessimistische Szenario

Dieses Szenario nennen die Wissenschaftler „Versäumte Besserung“: Die sozialen Folgen der Pandemie werden und wurden nicht berücksichtigt. Es kommt zu stärkerer Ungleichheit durch wachsende geopolitische Spannungen und es fehlt an internationaler Kooperation. Während reichere Länder über Booster-Impfungen verfügen, bleibt der Großteil der Weltbevölkerung ungeimpft. So kommt es immer wieder zu schweren Ausbrüchen. Der Populismus in der Politik beeinflusst die internationale Zusammenarbeit unter den Ländern.

3. Das optimistische Szenario

Das optimistische Szenario nennen die Wissenschaftler „Zusammenarbeit Plus“. Weil die internationale Zusammenarbeit besser geworden ist, hat Covid-19 an Bedeutung verloren. Mehr als 70 Prozent der Weltbevölkerung sind effektiv geimpft, auch Medikamente sind günstig und breit verfügbar. Reiche Länder haben wegen der Pandemie in Sozialversorgung, Digitalisierung und Gesundheitssysteme investiert. Es kommt zwar noch zu neuen Covid-19-Wellen, aber diese sind überschaubar und handbarbar. Regierungen haben Pandemiepläne und eine Wissenschaftsberatung.

ISC-Bericht: Fehler der Corona-Politik, die vermieden werden müssen

Jede Corona-Maßnahme, ob Schulschließung oder das Schließen von Gastronomie oder Geschäften ziehe weitere Folgen nach sich. Die Wissenschaftler sprechen von insgesamt 53 Faktoren, die es beim Verhängen von Maßnahmen zu beachten gilt.

Regierungen haben bisher zu sehr auf Impfstoffe, die Überwachung neuer Varianten sowie Maßnahmen zur Eindämmung von Infektionen geschaut. Viele zum Teil noch wichtigere Faktoren würden von der Politik hingegen nicht ausreichend beachtet. So werde der negative Einfluss der Pandemie auf die Bildung noch bis zum Ende dieses Jahrhunderts nachwirken, heißt es im Bericht des ISC.

Auch mit den psychischen Folgen der Pandemie hätten sich die Regierungen zu wenig auseinandergesetzt. Die Wissenschaftler gehen von 53,2 Millionen Fällen von schwerer Depressionen und von 76,2 Millionen Angststörungen weltweit aus, die in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie stehen.

In dem Bericht heißt es weiter: „Obwohl die Pandemie durch und durch eine globale Krise ist, haben Politiker sich vornehmlich auf nationale Lösungen fokussiert.“ Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) müsse gestärkt werden. Auch müsse eine gerechte Verteilung von Impfstoffen durch ein geändertes Völkerrecht durchsetzbar werden.