Lissabon - Portugal hat wegen der starken Ausbreitung des Coronavirus die weitgehende Schließung seiner Grenzen angeordnet. Die Bürger des Landes dürfen seit Sonntag für zunächst zwei Wochen nicht mehr ausreisen – es sei denn, es liegt ein besonderer Grund wie eine medizinische Behandlung vor. Auch die Einreise ist untersagt, solange kein triftiger Grund vorliegt. 

An der Landgrenze zu Spanien wurden – wie bereits im Frühjahr 2020 – wieder Kontrollen eingeführt. An Häfen und Flughäfen wurden zudem die Kontrollen verschärft. Ausnahmen gelten unter anderem für Menschen, die zur Arbeit fahren, an ihren Hauptwohnsitz zurückkehren oder beruflich unterwegs sind. Als triftiger Grund gelten auch der Warentransport, medizinische Notfälle sowie humanitäre Hilfe.

Die 1214 Kilometer lange Landgrenze zwischen Portugal und Spanien war wegen der Pandemie erstmals am 17. März geschlossen worden. Am 1. Juli wurde sie wegen der damals rückläufigen Zahlen wieder geöffnet. Die Bundesregierung erklärte kürzlich Portugal zum Hochrisikogebiet und verhängte für das Land und andere Staaten eine Einreisesperre, die zunächst bis zum 17. Februar gilt. Aktuellen Zahlen der EU-Gesundheitsagentur ECDC zufolge steckten sich in Portugal zuletzt innerhalb von 14 Tagen 1429 Menschen je 100.000 Einwohner mit dem Virus an. Damit liegt das Land vor Spanien (1026) an der Spitze der 30 erfassten Länder. Für Deutschland betrug der Wert gut 265.

Die Corona-Lage in Portugal ist nach Worten von Ministerpräsident António Costa „sehr schlimm“. Am Sonnabend wurden in dem Land mit 10,3 Millionen Einwohnern 12.435 Neuinfektionen und 293 Corona-Tote registriert. Gemessen an der Bevölkerungszahl gehören diese Werte nach Berechnungen von internationalen Organisationen zu den höchsten Werten weltweit. Auf Deutschland hochgerechnet wären das laut Deutscher Presse-Agentur rund 130.000 Infektionen und mehr als 2300 Tote innerhalb von 24 Stunden.

Bundeswehr soll helfen

Portugal soll Hilfe durch die Bundeswehr erhalten. „Nach jetzigem Kenntnisstand wird es sich um materielle und personelle Hilfe handeln“, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. Zahl der Helfer und Umfang der Hilfsgüter würden zunächst noch geprüft. Die Bundeswehr hatte nach einem Hilfeersuchen aus Portugal ein medizinisches Erkundungsteam in das Nachbarland Spaniens geschickt, dessen Erkenntnisse nun ausgewertet würden.

Der Spiegel berichtete am Sonntag, dass Anfang der Woche ein Team von 27 Ärzten und Sanitätern der Bundeswehr nach Portugal geschickt werden könnte, um in den überlasteten Krankenhäusern auszuhelfen. Außerdem sei die Lieferung von Feldkrankenbetten und Beatmungsgeräten geplant. Nach Spiegel-Informationen wurde den Bundeswehrexperten vor Ort ein katastrophales Bild geschildert. Das Gesundheitssystem sei vollkommen überfordert, ein Großteil des Pflegepersonals in den Krankenhäusern sei selbst mit Corona infiziert.

Das Ausfliegen von Patienten sei indes zunächst nicht geplant. Österreich kündigte unterdessen am Sonntag an, dass schwer kranke Corona-Patienten aus Portugal in das Alpenland ausgeflogen würden.