Gera - Ein unangemeldeter Protestzug gegen die staatlichen Corona-Maßnahmen ist am Dienstagabend auch am Wohnhaus des Oberbürgermeisters von Gera, Julian Vonarb (parteilos), vorbeigezogen. Das bestätigte eine Stadtsprecherin am Mittwoch. Nach Polizeiangaben waren rund 1200 Menschen fast durch die gesamte Innenstadt gezogen. Dabei seien Parolen skandiert und lautstark Unmut geäußert worden.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) schrieb auf Twitter, politisch Verantwortliche zu Hause aufzusuchen und damit ihre Wohnung und Privatsphäre zu kennzeichnen, sei nichts anderes als Einschüchterung. „Es kann sich keiner rausreden und behaupten man habe sich ja nur ‚verlaufen‘.“

Die Polizei beschäftigt sich unterdessen mit einem in sozialen Netzwerken geteilten Video, das am Montag in Gera entstanden sein soll. Darauf ist zu sehen, wie mehrere Polizeibeamte einen Mann am Boden fixieren. Der Mann liegt nach einigen Minuten regungslos am Boden. Am Montag waren laut Polizei rund 3500 Gegner der Corona-Maßnahmen durch Gera gezogen.

Das Video zeige die Anwendung von unmittelbarem Zwang gegen den Mann, sagte ein Polizeisprecher. Der Mann habe zuvor Polizeibeamte tätlich angegriffen. Gegen ihn werde nun ermittelt. Ob der Mann bei dem Polizeieinsatz das Bewusstsein verlor, sagte der Sprecher nicht. Sollte sich ergeben, dass das Agieren der Beamten überzogen war, würden entsprechende Maßnahmen eingeleitet.

In Sachsen demonstrierten im Dezember mehreren Corona-Gegner vor dem Wohnhaus der Gesundheitsministerin. Der Polizei zufolge versammelten sich etwa 30 Menschen laut rufend mit Fackeln und Plakaten vor dem Haus in Grimma. Als die Polizei eintraf, seien die Menschen in mehreren Fahrzeugen geflüchtet.