Auf der Straße des 17. Juni in Berlin-Tiergarten sollten am heutigen Freitag zwei große Demonstrationen gegen die Corona-Politik und die Impfpflicht stattfinden. Für beide Veranstaltungen waren zusammen 27.000 Demonstranten angemeldet. Doch der angekündigte Ansturm blieb aus, sagte eine Polizeisprecherin der Berliner Zeitung.

Knapp 50 Demonstranten waren es, die um 10.45 Uhr am Ernst-Reuter-Platz losmarschierten, so die Polizeisprecherin. Etwa die Hälfte von ihnen ignorierte die Maskenpflicht, weshalb die Polizei mit Lautsprecherdurchsagen auf die Verstöße aufmerksam machte. Der Protestzug „Berlin Peace Parade 2.0“ blieb deutlich hinter den Erwartungen zurück, so die Polizeisprecherin. Denn angemeldet waren für den Demonstrationszug bis 14 Uhr rund 17.000 Teilnehmer. Es blieb jedoch letztlich bei den rund 50 Protestierenden, die in kleiner Runde in Richtung Großer Stern spazierten.

Kritiker der Corona-Politik hatten dennoch Hoffnung, dass es am Nachmittag weitaus mehr Beteiligung geben würde. Ab 15 Uhr wollten laut Veranstalter etwa 10.000 Menschen auf der Straße des 17. Juni zwischen Ebertstraße und Yitzhak-Rabin-Straße gegen Freiheitseinschränkungen und Grundrechtsverletzungen demonstrieren. Ihr Motto: „Friedliche Kundgebung zur Verteidigung der Grundrechte auf Basis des Grundgesetzes der Bundesrepublik“. Doch auch hier versammelten sich nur wenige, um ihren Unmut kundzutun. Laut Polizei seien es zu Beginn der Kundgebung etwas mehr als 100 Demonstranten gewesen.

Zum Vergleich: Die Polizei hat aufgrund der Ankündigungen im Internet am heutigen Freitag 700 Einsatzkräfte für Demonstrationen bereitgestellt. Das Verhältnis ist für alle Beteiligten jedoch ungewöhnlich unausgeglichen, hieß es aus dem Polizeipräsidium. Alle Kundgebungen verliefen sehr friedlich, hieß es weiter.

dpa/Annette Riedl
Demonstranten sitzen auf dem Potsdamer Platz und demonstrieren gegen die Impfpflicht.

Mehr Resonanz hatten die Veranstalter einer Kundgebung auf dem Potsdamer Platz. Dort hatten sich mehrere Hundert Demonstranten zusammengefunden, um sitzend in der Sonne in einem „transparenten politischen Dialog“ gegen die Impfplicht zu demonstrieren. Viele hielten sich laut Polizei an die Abstände – die Stimmung war ruhig und friedlich.

Demo gegen Rechtsextremismus am Holocaust-Mahnmal

Aber auch Gegenproteste waren für den Freitag geplant. Unter anderem wollten sich die „Omas gegen Rechts“ laut einer Ankündigung des Vereins Geradedenken zu einer Menschenkette vor dem Holocaust-Mahnmal versammeln. Gegen 14 Uhr begann zudem eine Kundgebung auf dem Pariser Platz – bei der mehrere Rednerinnen und Redner, darunter die Grünen-Bundestagsabgeordneten Hanna Steinmüller und Canan Bayram sowie der Linke-Abgeordnete Ferat Ali Kocak, zu Wort kommen sollten.