Corona: Ramelow überrascht von Impfskepsis im Osten
Thüringens Ministerpräsident hatte eine höhere Impfbereitschaft „bei DDR-sozialisierten Menschen“ erwartet. Die Impfquote in Thüringen liegt bei 65 Prozent.

Erfurt-Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow ist von der vergleichsweise großen Corona-Impfskepsis in den ostdeutschen Bundesländern überrascht worden. Es habe dies „überhaupt nicht“ kommen sehen, sagte der Linken-Politiker in einem Interview der Thüringischen Landeszeitung. „Bei DDR-sozialisierten Menschen und in den neuen Ländern generell war bisher nachweislich in allen Impfkategorien die Impfbereitschaft wesentlich höher als in Westdeutschland. Ich habe beim mRNA-Impfstoff nicht mit der Ablehnung durch 30 bis 40 Prozent der Bevölkerung gerechnet.“
Dass die relativ niedrigen Impfquoten ein Ausdruck einer Unzufriedenheit mit den Politikern sein könnten, wies Ramelow zurück: „Man muss mit gar keinem Politiker zufrieden sein, wenn es um medizinische Entscheidungen geht. Da sollte man mit seinem Arzt reden.“ Er bekräftigte seine Hoffnung, dass der jetzt zugelassene Totimpfstoff von Novavax ein Schlüssel sein könnte, um mehr Menschen für das Impfen zu erreichen. Er werbe für eine allgemeine Impfverpflichtung, sagte Ramelow.
Corona: Ost-Bundesländer sind Schlusslichter beim Impfen
Die ostdeutschen Bundesländer sind Schlusslichter beim Impfen gegen das Coronavirus. Das RKI gab die Quote der zweifach Geimpften mit Stand 27. Dezember für Sachsen mit 60,1 an. Danach folgen Brandenburg (64,2), Thüringen (65,0) und Sachsen-Anhalt (67,6). Mecklenburg-Vorpommern (69,2) liegt mit Baden-Württemberg gleichauf, dem Bundesland mit der niedrigsten Quote unter der westdeutschen Bundesländern.
In Deutschland sind laut Impfdashboard der Bundesregierung aktuell 70,9 Prozent der Bevölkerung vollständig gegen das Coronavirus geimpft. 73,9 Prozent der Bevölkerung haben bisher mindestens eine Impfdosis erhalten. Zuletzt verschob die Bundesregierung ihr Ziel einer Impfquote von 80 Prozent. Nun wolle die Regierung die 80 Prozent möglichst bis Ende Januar schaffen, sagte ein Regierungssprecher der Bild am Sonntag. Hintergrund ist demnach, dass bislang nur rund 74 Prozent der Bevölkerung erstimmunisiert sind und die fehlenden rund 5,3 Millionen Erstimpfungen kaum bis zum 7. Januar erreicht werden könnten.
