Berlin - Die Corona-Pandemie lastet nach Einschätzung der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) trotz aktueller Lockerungen weiter auf den Seelen vieler Menschen. Die Versichertendaten der KKH zeigten, dass Arbeitnehmer in Berlin in den ersten sechs Monaten im Schnitt 38,1 Tage vor allem wegen Depressionen, Angststörungen und Burnout krankgeschrieben waren. 

Die meisten Ausfälle wegen psychischer Erkrankungen habe es bei den Arbeitnehmern in der Bundeshauptstadt Berlin gegeben. Laut KKH fielen die meisten der rund 150.000 KKH-Versicherten in Berlin wegen depressiver Reaktionen sowie schwerer Belastungen und Anpassungsstörungen aus – 32.000 attestierte Fehltage seien mit diesen Diagnosen registriert worden, gefolgt von 27.000 Fehltagen wegen depressiven Episoden. 

Im Bundesdurchschnitt fehlten KKH-versicherte Arbeitnehmer den Angaben zufolge 2021 bislang 42,5 Tage aufgrund psychischer Diagnosen. Im Vergleich zu allen anderen Diagnosen liegen seelische Leiden auf Platz zwei hinter Rückenbeschwerden, heißt in der Mitteilung der nach eigenen Angaben viertgrößten Krankenkasse Deutschlands.

19 Prozent aller krankheitsbedingten Fehlzeiten sind psychisch bedingt 

Laut KKH-Daten seien im ersten Halbjahr 2021 bundesweit bisher rund 19 Prozent der krankheitsbedingten Fehlzeiten psychisch bedingt gewesen. Das ist der höchste Wert seit mehreren Jahren. Im ersten Corona-Jahr 2020 lag die Quote bereits bei knapp 18 Prozent, in den Jahren vor der Pandemie schwankte der Anteil noch zwischen 16 und 17 Prozent. 

Existenzängste und die Sorge vor einer vierten Corona-Welle blieben, hieß es von der Krankenkasse. Zum anderen könnten viele Berufstätige Arbeit und Privatleben im Homeoffice schlechter voneinander trennen, hieß es. Die Folge seien Überstunden und Stress durch ständige Erreichbarkeit. Weitere Probleme für viele Mitarbeiter seien zudem Isolation und Entfremdung vom Unternehmen im Homeoffice.

„Seit dem Ende des Lockdowns und der Möglichkeit zur Impfung gegen Covid-19 hat die psychische Belastung zwar etwas abgenommen. Wie unsere Daten zeigen, fühlen sich viele Berufstätige aber immer noch gestresster als vor der Pandemie. Außerdem ist der Anteil der psychischen Diagnosen im Vergleich zu anderen Erkrankungen seit der Krise noch einmal angestiegen“, sagte KKH-Wirtschaftspsychologin Antje Judick.