Berlin - Die Bundesregierung stuft Spanien und die Niederlande wegen hoher Infektionszahlen von Dienstag an als Corona-Hochinzidenzgebiete ein. Das gab das Robert-Koch-Institut am Freitag bekannt. Wer aus einem Hochinzidenzgebiet zurückkehrt und nicht vollständig geimpft oder genesen ist, muss für zehn Tage in Quarantäne, kann diese aber durch einen negativen Test nach fünf Tagen verkürzen.

Der Reiseverband DRV hat die Entscheidung der Bundesregierung scharf kritisiert. Sie mache mitten in der Ferienzeit „zahlreichen Reisenden und insbesondere vielen Familien mit Kindern die Urlaubspläne zunichte“, sagte DRV-Präsident Norbert Fiebig am Freitag. Die von der Corona-Krise hart getroffene Reisewirtschaft befürchtet, dass eine drohende Quarantäne Menschen verunsichert, die gerade im Urlaub sind oder kurz davor stehen.

Sommerreisegeschäft ist von enormer wirtschaftlicher Bedeutung

Fiebig forderte: „Wir müssen weg von der reinen Inzidenzbetrachtung bei der Einstufung von Zielgebieten.“ Stattdessen sollte die tatsächliche Gefährdungslage für Reisende sowie die Belastung des Gesundheitssystems in den Mittelpunkt der Überlegungen gerückt werden. Dies sollte bei der ohnehin notwendigen Anpassung der Corona-Einreiseverordnung berücksichtigt werden. „Eine ausschließlich an den Inzidenzwerten festgemachte Automatik der Eingruppierung der Reiseländer ist angesichts des Impffortschritts nicht mehr angemessen“, argumentierte Fiebig.

Spanien ist das beliebteste Auslandsreiseziel der Menschen aus Deutschland – allen voran die Baleareninsel Mallorca. Das Sommerreisegeschäft ist für Veranstalter und Reisebüros von enormer wirtschaftlicher Bedeutung.

Veranstalter informieren Urlauber über geänderte Situation

Pauschalurlauber, die derzeit in Spanien sind, werden dem DRV zufolge von ihrem Veranstalter über die geänderte Situation informiert. Sollten Reisende vorzeitig ihren Urlaub beenden wollen, kümmerten sich die Veranstalter um eine Flugumbuchung. „Eine vorzeitige Rückreise ist jedoch nicht zwingend erforderlich“, betonte der Verband.

Der DRV schätzt, dass momentan etwa 200.000 Pauschalreisende aus Deutschland in dem Land Urlaub machen, davon 60 Prozent auf den Balearen. Hinzu kämen geschätzt etwa 200.000 Individualtouristen. Urlauber, die in den nächsten Tagen eine Reise nach Spanien geplant haben, würden von den Veranstaltern sukzessive kontaktiert.

Deutschlands zweitgrößter Reiseveranstalter DER Touristik hatte bereits angekündigt, sollte Spanien als Hochinzidenzgebiet eingestuft werden, würden Gästen kostenfreie Stornierungs- und Umbuchungsmöglichkeiten angeboten.