London - Forscher der Queen Mary University of London haben offenbar herausgefunden, dass sich Menschen, die unter allergischen Erkrankungen leiden, seltener mit Coronaviren infizieren. Dazu sollen Personen, die unter allergischem Asthma, Neurodermitis oder Heuschnupfen leiden, zählen. 

Die Wissenschaftler halten fest: „Niedrigere Chancen für testbestätigtes Covid-19 waren unabhängig mit der Vorgeschichte einer atopischen Erkrankung und der Einnahme systemischer Immunsuppressiva verbunden.“ Unter einer atopischen Erkrankung verstehen Mediziner allergische Beschwerden, die auf Basis einer genetischen Veranlagung hervorgerufen werden. Immunsuppressiva sind Medikamente, die überschießende Immunreaktionen lindern können – zum Beispiel Kortison

Menschen mit asiatischem Hintergrund häufiger infiziert?

Aus der Studie, die in der Fachzeitschrift Thorax erschienen ist, geht nicht hervor, wie es zu dem verminderten Ansteckungsrisiko bei Allergikern kommt. Studienleiter Adrian R. Martineau erklärt auf Nachfrage des Gesundheitsportals NetDoktor: „Wir wissen, dass Allergiker weniger ACE-2-Rezeptoren besitzen.“ ACE-2-Rezeptoren docken an Coronaviren an. Doch, dass ein Zusammenhang zur Infektionsgefahr besteht, ist auch den britischen Forschern zufolge bislang nur eine Hypothese.

Martineau vermutet zudem, dass Asthmatiker, deren Immunsystem aufgrund einer Kortison-Therapie gedämpft ist, zwar ein höheres Risiko haben, sich zu infizieren, aber asymptomatisch bleiben. Daher könne es sein, dass die Infektion nicht entdeckt wird. 

Die Wissenschaftler machten überdies eine Entdeckung bezüglich der ethnischen Zugehörigkeit von Infizierten: So infizierten sich Menschen mit asiatischer oder asiatisch-britischer Abstammung im Verlauf der Studie häufiger. Zu den Ursachen für diesen Zusammenhang konnte das Forscherteam allerdings keine detaillierten Angaben machen. Ob diese Menschen auch einem höherem Risiko für einen schweren Verlauf ausgesetzt sind, ist ebenfalls unklar, heißt es.  

38 Prozent niedrigeres Infektionsrisiko für allergische Asthmatiker

Den Wissenschaftlern zufolge konnte zudem kein „Unterschied im Krankheitsrisiko für Menschen mit Diabetes, Herzerkrankungen oder Bluthochdruck festgestellt“ werden. Das Risiko für einen schweren Verlauf bestehe für diese Personengruppe allerdings dennoch. 

Die Ergebnisse der Beobachtungsstudie basieren auf Online-Fragebögen. Befragt wurden 15.227 Teilnehmer, 446 von ihnen wurden positiv auf SARS-CoV2 getestet (2,9 Prozent). Wie aus der Studie hervorgeht, mussten 32 der an Covid-19 Erkrankten in einem Krankenhaus behandelt werden. Die Befragten, die angaben unter Heuschnupfen, anderen Arten von allergischem Schnupfen oder Neurodermitis zu leiden, waren einem 23 Prozent niedrigerem Ansteckungsrisiko ausgesetzt, heißt es. Für allergische Asthmatiker soll die Wahrscheinlichkeit für eine Infektion sogar um 38 Prozent reduziert gewesen sein.