In Berlin geraten immer noch viele Menschen in Finanznot oder gehen ganz pleite. Allein in diesem Jahr wurden in den ersten drei Monaten 930 Anträge auf Privatinsolvenz gestellt. Die meisten am Amtsgericht in Lichtenberg: 220. Die Zahlen gab die Justizverwaltung nach einer parlamentarischen Anfrage der FDP bekannt. Das Dokument ist noch nicht veröffentlicht und liegt der Berliner Zeitung exklusiv vor.

Zwar gab es im Vorjahreszeitraum mit über 1000 etwas mehr Anträge auf Insolvenz, doch im Vergleich zu den Jahren 2020 und 2019 sind die aktuellen Zahlen weiterhin auf hohem Niveau. 2019 lag die Zahl bei 847 Anträgen in den ersten drei Monaten. 2020 wurden 862 Anträge auf Privatinsolvenz gestellt. Was auffällt: Immer ist das Amtsgericht Lichtenberg vorne. Eine Erklärung dafür gibt der Senat nicht.

Berlin: Die meisten Insolvenzverfahren am Amtsgericht Lichtenberg

Die meisten Anträge auf Privatinsolvenz werden auch als Verfahren eröffnet, sind also tatsächliche Pleiten. Von den 930 Anträgen im Jahr 2022 wurden 861 Anträge bearbeitet.

Ein Grund könnten die weltweiten Krisen wie Corona, Inflation oder die aktuelle Situation in der Ukraine sein. Das Vertrauen in die eigene finanzielle Sicherheit ist einer Umfrage zufolge beispielswiese vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs bei vielen Menschen in Deutschland gesunken. „Der russische Angriffskrieg hat die Stimmung insgesamt nochmals deutlich getrübt“, erklärte der Vorstandsvorsitzende der Teambank, Frank Mühlbauer, am Dienstag.

Der FDP-Abgeordnete Tobias Bauschke stellte die Anfrage beim Senat. Er sieht auch die aktuellen Krisen als mögliche Ursache für die hohen Zahlen. Bauschke sagte der Berliner Zeitung: „Die Zahlen für Berlin sind erschreckend. Wir brauchen mehr Beratungen für Schuldner. Es muss mehr Bemühungen geben, dass Insolvenzverfahren erst gar nicht eröffnet werden müssen. Dafür muss mehr für die Einigung zwischen Gläubiger und Schuldner getan werden.“